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Gottfried August Bürger: Gedichte - Kapitel 150
Quellenangabe
titleGedichte
authorGottfried August Bürger
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typepoem
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Ode der funfzigjährigen Jubelfeier der Georgia Augusta
am 17. September 1787

gewidmet von mehrern zu Göttingen Studirenden.

        Erhabenster, der du das All gestaltet
Zu deiner Herrlichkeit Palast
Und in ein Lichtgewand, aus Finsterniß entfaltet,
Dein Werk gekleidet hast!

Du hast im Raum, wo deine Sonne lodert
Um ein Centralziel aller Kraft,
Zu dem erhabnen Tanz die Sphären aufgefodert,
Der nimmermehr erschlafft.

Es schwebt mit ihm an Harmonieenbanden
Der hohe Weltchoral dahin,
Von dem Pythagoras und Newton viel verstanden
Und Kepler's tiefer Sinn.

Im Geistesall, wo Form des Raums verschwindet,
Wo dumpf der Sinn des Zeitstroms Fall
Nur noch vernimmt, hast du weit größer dich verkündet
Als in dem Sinnenall.

Da lodern hoch, mit wunderbarem Glanze,
Die Sonnen Wahr und Gut und Schön,
Um die – so willst du es – sich in vereintem Tanze
Des Geistes Künste drehn.

Vereinigung ersehnen die drei Flammen
Durch wechselweisen Zug und Drang.
Auch hier rauscht die Musik der Sphären laut zusammen
In einen Chorgesang

Und rauschet fort, von einem Strom gezogen,
Vom Strome der Vollkommenheit.
Ein Niagara stürzt der seine lichten Wogen
Ins Meer der Seligkeit. –

Georgia, die auch Gesang und Reigen
Erhabner Geisteskünste führt,
Tritt heut vor deinen Thron, ihr Haupt vor dir zu neigen,
Dem Anbetung gebührt.

Gefiel bisher dir höchsten Chorageten
Ihr Einklang mit dem großen Chor
Der Schöpfung, so vernimm, was ihre Söhne beten,
O Herr, mit mildem Ohr!

Gesegn' ihr heut im Jubelfeierkleide
Den Wunsch, den jede Brust ihr weiht,
Und bis zu Götterkraft den Lebenswein der Freude,
Den ihr Georg ihr beut!

Hoch aufgefrischt von dieses Tages Wonnen
Und deiner Segenskräfte voll,
Erhalte sich ihr Schwung um die drei Geistessonnen,
Um die sie schweben soll!

Nie müsse sie des Rhythmus Kunst verlernen,
Die Glied an Glied in's Ganze fügt!
So fliege sie den Flug mit ihren Folgesternen,
Den alles Leben fliegt!

Und werde stets zum Ziele fortgezogen,
Das nur der Gottgeweihte sieht,
Wohin mit Oceansgewalt der Kräfte Wogen
Die Kraft der Kräfte zieht!

 


 

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