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Gottfried August Bürger: Gedichte - Kapitel 15
Quellenangabe
titleGedichte
authorGottfried August Bürger
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typepoem
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Das Mädel, das ich meine

              O was in tausend Liebespracht,
Das Mädel, das ich meine, lacht!
Nun sing, o Lied, und sag mir an!
Wer hat das Wunder aufgetan:
Daß so in tausend Liebespracht
Das Mädel, das ich meine, lacht?

Wer hat, wie Paradieseswelt,
Des Mädels blaues Aug erhellt? –
Der liebe Gott! der hat's getan,
Der 's Firmament erleuchten kann;
Der hat, wie Paradieseswelt,
Des Mädels blaues Aug erhellt.

Wer hat das Rot auf Weiß gemalt,
Das von des Mädels Wange strahlt? –
Der liebe Gott! der hat's getan,
Der Pfirsichblüte malen kann;
Der hat das Rot auf Weiß gemalt,
Das von des Mädels Wange strahlt.

Wer schuf des Mädels Purpurmund
So würzig, süß, und lieb und rund? –
Der liebe Gott! der hat's getan,
Der Nelk' und Erdbeer' würzen kann;
Der schuf des Mädels Purpurmund
So würzig, süß, und lieb und rund.

Wer ließ vom Nacken, blond und schön,
Des Mädels seidne Locken wehn? –
Der liebe Gott! der gute Geist!
Der goldne Saaten reifen heißt;
Der ließ vom Nacken, blond und schön,
Des Mädels seidne Locken wehn.

Wer gab, zu Liebesred und Sang,
Dem Mädel holder Stimme Klang? –
Der liebe, liebe Gott tat dies,
Der Nachtigallen flöten hieß;
Der gab, zu Liebesred und Sang,
Dem Mädel holder Stimme Klang.

Wer hat, zur Fülle süßer Lust,
Gewölbt des Mädels weiße Brust? –
Der liebe Gott hat's auch getan,
Der stolz die Schwäne kleiden kann;
Der hat, zur Fülle süßer Lust,
Gewölbt des Mädels weiße Brust.

Durch welches Bildners Hände ward,
Des Mädels Wuchs so schlank und zart? –
Das hat die Meisterhand getan,
Die alle Schönheit bilden kann;
Durch Gott, den höchsten Bildner, ward
Des Mädels Wuchs so schlank und zart.

Wer blies, so lichthell, schön und rein,
Die fromme Seel dem Mädel ein? –
Wer anders hat's als er getan,
Der Seraphim erschaffen kann;
Der blies so lichthell, schön und rein
Die Engelseel dem Mädel ein. –

Lob sei, o Bildner, deiner Kunst!
Und hoher Dank für deine Gunst!
Daß du dein Abbild ausstaffiert,
Mit allem, was die Schöpfung ziert.
Lob sei, o Bildner, deiner Kunst!
Und hoher Dank für deine Gunst!

Doch ach! für wen auf Erden lacht
Das Mädel so in Liebespracht?
O Gott! bei deinem Sonnenschein!
Bald möcht ich nie geboren sein,
Wenn nie in solcher Liebespracht
Das Mädel mir auf Erden lacht.

 


 

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