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Gottfried August Bürger: Gedichte - Kapitel 149
Quellenangabe
titleGedichte
authorGottfried August Bürger
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typepoem
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Gesang am heiligen Vorabend des funfzigjährigen
Jubelfestes der Georgia Augusta.

                        Morgen, o festlicher Tag,
Morgen entschwebe
Herrlich und hehr der Nacht!
Komm in Titans Strahlenkranze,
Komm im blauen Aethermantel,
In des Urlichts reinstem Glanze!
So entsteige der Grotte der Nacht
Unter dem Meer!
So entschwebe dem Wogentanze
Herrlich und hehr,
Hehr und herrlich in Bräutigamspracht!

    Es harret dein
    Voll Lieb' und Lust
    Die hohe Jubelkönigin.
    Vor bräutlichem Entzücken
    Hüpft ihre Brust.
    Sie harret dein
    Mit wonneglänzenden Wangen und Blicken,
    Georgia Augusta harret dein!

Als sie vor funfzig ruhmbestrahlten Jahren,
Ein schönes Kind,
Ein wunderschönes Götterkind,
Geboren war,
Da brachten sie in dieses Tempels Halle,
Vor Gottes Hochaltar,
Ihr großer Vater und die Hochberühmten alle,
Die ihrer Kindheit Pfleger waren,
Dem Segensspender dar,
Und auf der Andacht Flügel schwang
Sich himmelan ihr flehender Gesang.

    Herr, erfülle sie mit Weisheit,
    Adle sie, o Herr, durch Schönheit,
    Rüste sie mit Heldenstärke
    Für den großen Gang zum Ziele
    Strahlender Vollkommenheit!

    Denn der Geist gedeiht durch Weisheit
    Und das Herz gedeiht durch Schönheit;
    Dieser Einklang rauscht in Stärke,
    Dieser Adel führt zum Ziele
    Dauernder Glückseligkeit.

Und als das Lied der frommen Schaar,
Das Lied der heißen Inbrunst,
Hinaufgesungen war,
Da wallte Gottes Flamme,
Sanft wallte von des Gebers Thron
Des herzlichen Gebetes Lohn,
Die Flamme, die noch nie verlosch,
Des Segens Flamm' herab auf den Altar.

    O Flamme, die vom Himmel sank,
    Entlodre hoch und weh' umher!
    Umher, umher!
    Entzünde jedes Herz umher
    Zu heißem Dank!
    Dem Geber zu unaussprechlichem Dank!

Der königliche Herrscher auf dem Thron
Von Albion
Trat väterlich herzu und gab
Ihr reichlich mildes Oel zur Nahrung.
Wetteifernd trat herzu die Schar
Der Pfleger und der Priester am Altar,
Der sie zu heiliger, zu ewiger Bewahrung
Von Gott und König anbefohlen war,
Und hütet' ihrer gegen jegliche Gefahr,
Hinwegzulöschen oder sich zu trüben,
So gegen den wild stürmenden Orkan
Des Krieges als des Neides leise Pest.
Gleich Jener in der Vesta Heiligthume,
Erhielt getreue, rege Wachsamkeit
Die heil'ge Lohe rein und schön
Und hoch vom Anbeginn bis heut.

    Himmelslohn euch, große Seelen,
    In der Ruhe Heiligthum!
    Ewig Heil euch, ewig Friede!
    Hier auf Erden tön' im Liede
    Nun und immerdar eu'r Ruhm!

Erwärmt von Gottes Segensflamme, wuchs,
Münchhausen, du Unsterblicher,
Wuchs deine Tochter schnell und hoch heran.
Des Ruhmes starker Adlerfittich trug
Laut rauschend ihren Namen
Rund um den Erdball über Meer und Land
Und seiner edlern Völker Söhne kamen
Bei Tausenden zur Huldigung.
Viel theilte sie von ihres Reichthums Fülle
Und viel von ihres Adels Hoheit,
Viel Muth und Kraft zu Thaten –
So war es in der Weihe ihr verliehn –
Zum Heil der Völker mit.

    Selig, selig, himmelselig
    Ist das hocherhabne Amt,
    Auszuspenden, gleich der Sonne,
    Durch den großen Raum der Welten,
    Ins Unendliche des Geistes
    Lebensnahrung, Licht und Kraft!

    O wie hoch und herrlich strahlet
    Des Triumphes Majestät,
    Wann der Held des Geistes Chaos
    Und des Chaos Ungeheuer,
    Brut der Barbarei, besteht
    Und zum Rechtes seines Adels
    Den gepreßten Geist erhöht!

Georgia Augusta, schön und stark,
Voll Lebensgeist und Mark,
Mit Athenäens Rüstung angethan,
Ging tadellos bis heut der Ehre Bahn
Und stritt des Ruhmes Streit
Mit ungeschwächter, rascher Tapferkeit.
Nun steht sie, lehnt sich ruhend auf den Speer
Und darf – das zeuge du, Gerechtigkeit! –
Getrost zurück auf ihre Thaten schaun.
Des Kampfes Richter nehmen mild und schmeichelnd
Nun zur Erholung ihr die Waffen ab
Und kleiden sie in festliches Gewand
Für ihren ersten Jubelfeiertag.

        Triumph! Des Tages Ehrenkönigin
        Erhebt ihr Haupt!
    Sie trägt ihr hohes Götterhaupt,
    Sie trägt's mit Laub und Blumen,
        Laut rauschend,
        Süß duftend,
    Süß duftend mit lieblichen Blumen,
    Laut rauschend mit Laube des Ruhms umlaubt!

Wer aber führt den schönen Sohn der Zeit,
Wer führt herauf von Osten
Den hellen Ehrentag,
Den lauten Wonnebringer?
Wer führt der schönen Jubelbraut
Den Jubelbräutigam nun zu?
Wer weihet zur Unsterblichkeit sie ein? –
Wer sonst, als ihres großen Vaters Geist
Und ihrer heimgewallten Pfleger Geister,
Die jetzt, von Gott dazu ersehn,
Ihr unsichtbare Lebenswächter sind?

Hebe dich himmelan, Weihegesang,
Hoch in die Heimat der seligen Schaar!
Zeuch der großen Heimgewallten
Geister zum Feste der Tochter herab!

Schwebe herunter, wir rufen dich laut,
Schwebe vom Himmel, unsterbliche Schaar!
Freue dich der Ruhmbekränzten,
Hoch in der Blüte der Schönheit und Kraft!

Führt, ihr Verklärten, in Bräutigamspracht,
Führet den Freudenerwecker ihr zu!
Strömt auf ihre Kraft und Schönheit
Segen der ewigen Jugend herab! –

Merkt auf! Sie haben's vernommen,
Die schützenden Geister! Sie kommen!
Sie führen den glänzenden Bräutigam an!
Schon wehet der heilige Schauer voran.

Schaut auf! Die Himmlischen steigen,
Ein feierlich schwebender Reigen,
Ein tönender, Seelen entzückender Chor,
Auf purpurnen Wolken in Osten empor.

Schlagt hoch, ihr lodernden Flammen
Der Herzen und Lieder, zusammen!
Führt, Orgel und Pauke, mit festlichem Klang
Entgegen des frohen Willkommens Gesang!

 


 

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