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Gottfried August Bürger: Gedichte - Kapitel 118
Quellenangabe
titleGedichte
authorGottfried August Bürger
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typepoem
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Auch ein Lied an den lieben Mond.

          Ei! schönen guten Abend dort am Himmel!
Man freuet sich, Ihn noch fein wohl zu sehn.
Willkommen mir vor allem Sterngewimmel!
Vor allem Sterngewimmel lieb und schön! –

Was lächelst du so bittlich her, mein Theurer?
Willst du vielleicht so was von Sing und Sang?
Ganz recht! Wofür auch wär' ich sonst der Leirer,
Deß Saitenspiel bisher – so so! – noch klang?

Es wäre ja nicht halb mir zu verzeihen,
Das muß ich selbst treuherzig eingestehn,
Da alle Dichter dir ein Scherflein weihen,
Wollt' ich allein dich stumm vorübergehn.

Auch bist du's werth, mein sanfter, holder lieber...
Ich weiß nicht recht, wie ich dich nennen soll?
Mann oder Weib? – Schon lange war ich über
Und über deines warmen Lobes voll.

So wissen's denn die Jungen und die Alten,
Was immerdar auch meine Wenigkeit
Vom schönen lieben Monde hat gehalten
Und halten wird in alle Ewigkeit!

Die Sonn' ist zwar die Königin der Erden,
Das sei hiemit höchst feierlich erklärt!
Ich wäre ja von ihr beglänzt zu werden,
Verneint' ich dies, nicht eine Stunde werth.

Wer aber kann, wann sie im Strahlenwagen
Einher an blauer Himmelsstraße zieht,
Die Glorie in seinem Aug' ertragen,
Die ihre königliche Stirn umglüht?

Du, lieber Mond, bist schwächer zwar und kleiner,
Ein Kleid, nur recht und schlecht, bekleidet dich;
Allein du bist so mehr wie Unsereiner
Und dieses ist gerade recht für mich.

Ich würde mich fürwahr nicht unterstehen,
Mit ihrer hocherhabnen Majestät
So brüderlich und traulich umzugehen,
Wie man noch wol mit dir sich untersteht.

Die Sonne mag uns tausend Segen schenken,
Das wissen wir und danken's herzlich ihr;
Doch weiß sie auch es wieder einzutränken
Und sengt und brennt oft desto baß dafür.

Du aber, aller Creaturen Freude,
Den jeder Mund so treu und froh begrüßt,
Bist immer gut, thust nimmer was zu Leide,
Kein Biedermann hat je durch dich gebüßt.

Wär' ohne sie die Welt nur hell und heiter,
Und frör' es nur nicht lauter Eis und Stein,
Und Wein und Korn und Obst gediehe weiter,
Wer weiß? so ließ' ich Sonne Sonne sein.

Dich ließ' ich mir in Ewigkeit nicht nehmen,
Wofern mein armes Nein was gelten kann;
Ich würde bis zum Kranken mich zergrämen,
Verlör' ich dich, du trauter Nachtcumpan!

Wen hätt' ich sonst, wann um die Zeit der Rosen
Zur Mitternacht mein Gang um's Dörfchen irrt,
Mit dem ich so viel Liebes könnte kosen,
Als hin und her mit dir gekoset wird?

Wen hätt' ich sonst, wann überlange Nächte
Entschlummern mich, du weißt wol was, nicht läßt,
Dem ich es so vertrauen könnt' und möchte,
Was für ein Weh mein krankes Herz gepreßt?

 


 

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