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Gottfried August Bürger: Gedichte - Kapitel 115
Quellenangabe
titleGedichte
authorGottfried August Bürger
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typepoem
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Liebeszauber.

                Mädel, schau mir in's Gesicht!
Schelmenauge, blinzle nicht!
Mädel, merke was ich sage!
Gib Bescheid auf meine Frage!
Holla, hoch mir in's Gesicht!
Schelmenauge, blinzle nicht!

Bist nicht häßlich, das ist wahr!
Aeuglein hast du, blau und klar;
Stirn und Näschen, Mund und Wangen
Dürfen wol ihr Lob verlangen.
Reizend, Liebchen, das ist wahr,
Reizend bist du offenbar.

Aber reizend her und hin!
Bist ja doch nicht Kaiserin,
Nicht die Kaiserin der Schönen.
Wer wird dich vor Allen krönen?
Reizend her und reizend hin!
Viel noch fehlt zur Kaiserin!

Hundert Schönen sicherlich,
Hundert, hundert fänden sich,
Die vor Eifer würden lodern,
Dich vor's Wettgericht zu fodern;
Hundert Schönen fänden sich,
Hindert siegten über dich.

Dennoch hegst du Kaiserrecht
Ueber deinen treuen Knecht,
Kaiserrecht in seinem Herzen,
Bald zu Wonne, bald zu Schmerzen.
Tod und Leben, Kaiserrecht,
Nimmt von dir der treue Knecht!

Hundert ist wol große Zahl;
Aber, Liebchen, laß einmal,
Laß es Hunderttausend wagen,
Dich von Thron und Reich zu jagen!
Hunderttausend! Welche Zahl!
Sie verlören allzumal.

Schelmenauge, Schelmenmund,
Sieh mich an und thu mir's kund!
He, warum bist du die Meine?
Du allein und anders Keine?
Sieh mich an und thu' mir's kund,
Schelmenauge, Schelmenmund!

Sinnig forsch' ich auf und ab,
Was so ganz dir hin mich gab. –
Ha! Durch Nichts mich so gut zwingen,
Geht nicht zu mit rechten Dingen.
Zaubermädel, auf und ab.
Sprich, wo ist dein Zauberstab?

 


 

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