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Gottfried August Bürger: Gedichte - Kapitel 110
Quellenangabe
titleGedichte
authorGottfried August Bürger
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typepoem
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Die Elemente.

          Horch! Hohe Dinge lehr' ich dich:
Vier Elemente gatten sich;
Sie gatten sich, wie Mann und Weib,
Voll Liebesglut in einem Leib.
Der Gott der Liebe rief: Es werde!
Da ward Luft, Feuer, Wasser, Erde.

Des Feuers Quell, die Sonne, brennt
Am blauen Himmelsfirmament.
Sie strahlet Wärme, Tagesschein;
Sie reifet Korn und Obst und Wein,
Macht alles Lebens Säfte kochen
Und seine Pulse rascher pochen.

Sie hüllt den Mond in stillen Glanz
Und flicht ihm einen Sternenkranz.
Was leuchtet vor dem Wandrer her?
Was führt den Schiffer durch das Meer
Viel tausend Meilen in die Ferne?
Ihm leuchten Sonne, Mond und Sterne.

Die Luft umfängt den Erdenball,
Weht hie und dort, weht überall,
Ist Lebenshauch aus Gottes Mund,
Durchwandelt gar das Erdenrund,
Wo sie durch alle Höhlung webet
Und selbst des Würmchens Lunge hebet.

Das Wasser braust durch Wald und Feld,
In tausend Arme nimmt's die Welt.
Wie Gottes Odem, dringt es auch
Tief durch der Erde finstern Bauch.
Die Wesen schmachteten und sänken,
Wo sie nicht seines Lebens tränken.

Drei Bräutigamen hat als Braut
Die Erd' ihr Schöpfer angetraut.
Hat Luft und Wasser sie umarmt,
Ist von der Sonn' ihr Schooß erwarmt,
So wird ihr Schooß zu allen Stunden
Von Kindern jeder Art entbunden.

Sie hegt und pflegt mit Mutterlust
All' ihre Kindlein an der Brust.
Sie ist die beste Mutter, sie;
Sie säuget spät, sie säuget früh.
Kein Kindlein, so ihr Schooß geboren,
Geht ihrem Schooße je verloren.

Sieh hin und her! Sieh rund um dich!
Die Elemente lieben sich;
Sie gatten sich in Himmelsglut;
Je eins dem andern Liebes thut.
Aus solchem Liebestrieb' empfangen,
Bist du, o Mensch, hervorgegangen.

Nun prüfe dich, nun sage mir:
Glüht noch des Ursprungs Glut in dir?
Erhellt, wie Sonne, dein Verstand,
Erhellt er Haus und Stadt und Land?
Entlodert, gleich den Himmelskerzen,
Noch Liebeslohe deinem Herzen?

Und deine Zunge, stimmet sie
Zur allgemeinen Harmonie?
Ist deine Rede, dein Gesang
Der Herzensliebe Widerklang?
Entweht dir Friede, Freude, Segen,
Wie Maienluft und Frühlingsregen?

Hält unzerrissen deine Hand
Das heilge Verlobungsband?
Reicht sie dem Nächsten in der Noth
Von deinem Trank, von deinem Brod
Und seinen nackenden Gebeinen
Von deiner Wolle, deinem Leinen? –

O du! O du! der das nicht kann,
Du Bastard du! was bist du dann? –
Und wärst du mächtig, schön und reich,
Dem Salomo an Weisheit gleich,
Und hättest gar mit Engelzungen
Zur Welt geredet und gesungen:

Du Bastard, der nicht lieben kann!
Was bist du ohne Liebe dann? –
Ein todter Klumpen ist dein Herz;
Du bist ein eitel tönend Erz;
Bist leerer Klingklang einer Schelle
Und Tosen einer Wasserwelle.

 


 

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