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Gottfried August Bürger: Gedichte - Kapitel 109
Quellenangabe
titleGedichte
authorGottfried August Bürger
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typepoem
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An Friedrich Leopold,
Grafen zu Stolberg.

Δαιμόνιε.

        Fritz, Fritz! Bei den Unsterblichen, die hold
Auch meinem Leben sind! – Sie zeugen mir! –
Sieh, Angesichts der Ritter unsers Volks
Und ihrer losen Knappen schreitest du
Zu Trutz mit Wehr und Waffen in mein Feld
Und wirfst den Fehdehandschuh vor mich hin.
Ha! Schauerte nun auch die Menschlichkeit,
Wie Hektorn vor dem Ajax und Achill,
Vor dir mich an, hüb' ich ihn doch empor.
Bei Gott! Bei Gott! Du Trotziger, ich muß! –
So gelt' es dann! Sieg' gelt es, oder Tod! –
Denn wisse! Keinem Knaben sprichst du Hohn,
Der seine ersten Waffen schwankend prüft.
Straff sind die Sehnen meiner Jugendkraft;
Ich bin gewandt, zu ringen; meinem Arm
Ist Phöbus' goldnes Schwert ein Halmenspiel;
Des Fernhintreffers Silberbogen weiß
Ich wol zu spannen; treffe scharf das Ziel;
Mein Köcher rasselt goldner Pfeile voll...
Wer mag einher in meiner Rüstung gehn? –
Es gelte, Fritz! Sieg gelt' es, oder Tod!
Du! Huldigt dir Gesang und Sprach' allein?
Und waltet nicht des Mäoniden Geist
Auch über meinem Haupt? Ich rang mit ihm,
Wie Herkul's Kraft mit Anteus' Zauber rang.
Bezwang ich ihn nicht oben in der Luft? –
Ich komm', ich komme dir! Denn ehren mag
Ein solcher Widersacher das Gefecht.
Wie wird des Sieges Blume meinen Kranz
Verherrlichen! – Und gäbe mich der Rath
Der Himmelsherrscher dir auch unterthan,
So könnt' ich doch von keiner edlern Hand
Als deiner sterben, edler, starker Held!
Auf, rüste dich! Sieg gilt es oder Tod!

 
Antwort
an
Gottfried August Bürger.

Ἠμὲν ἐμαρνάσϑην ἔριδος πέρι ϑυμοβόροιο,
Ἠδ' αὖτ' ἐν φιλότητι διέτμαγεν ἀρϑμήσαντε.
Diese Helden kämpften aus heißer Begierde des Ruhmes
Und dann schieden sie wieder mit Freundschaft auseinander.
Homer, »Ilias«, 7 [301-302].

 

                Fried' und Freude dem Sänger zuvor und traulichen Handschlag!
Sieh, ich habe dein Zürnen vernommen am fernen Gestade,
Hörte den Flügelschlag deines Gesangs; melodische Stürme
Deiner Leier erhuben ihn hoch; ein Riesenadler
Steht er vor mir, mit dräuender Klaue, mit rüstigem Fittich;
Und schon zürnt' ich entgegen. Da faßte mich Pallas Athänä
Bei den goldenen Locken; ich wandte mich sträubend; mein Auge
Staunte zurück, vom Blitze der göttlichen Augen getroffen.
Sieh, ich bebte nicht dir; ich bebte der furchtbaren Göttin.
Sie verschwand; da war mir, als athmet' ich liebliche Düfte,
Läg' am blumigen Hange des Helikons, unter der Kühlung
Wehender Schatten an Aganippens Silbergesäusel.
Nun erwacht' ich und zürnte nun wieder und griff zu der Leier.
Aber es hatte die jüngste der Musen die Leier umstimmet,
Daß sie nicht tönte wie sonst, wie Donner, wie Stimmen der Meere,
Sondern wie Lispel des schwankenden Schilfes, wie zärtliche Klagen
Junger Nachtigallen auf blühenden Zweigen der Myrten.
Und mir kehrte die Weisheit zurück; sie pflückte den Oelzweig,
Den ich dir reiche; sie redet durch mich; vernimm und sei weise!

Siehe, zwar kränzen uns Locken der Jugend, doch rauschet der Lorbeer
Ueber den Locken; es kühlt die Palme den Schweiß an der Stirne.
Früh betraten wir Beide den Pfad des ewigen Ruhmes,
Frühe erreichten wir Beide das Ziel. Auf trotzenden Felsen
Stehn wir und lächeln entgegen dem Strome der kommenden Zeiten.
Hier besuchen uns oft Kronion's liebliche Töchter,
Lehren uns oft die eigne Leier beseelen und bringen
Oft herab vom Olymp die Harfe des Mäoniden.
Laß uns Beide das heilige Lied des göttlichen Greises
Unserm Volke singen; wir lieben den Göttlichen Beide!

Freund, gehabe dich wohl! Ich kenne die rufende Stimme,
Höre wiehern die feurigen Ross' am flammenden Wagen;
Sieh, mir winket die Mus'; ich folge der winkenden Göttin.

 


 

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