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Gottfried August Bürger: Gedichte - Kapitel 105
Quellenangabe
titleGedichte
authorGottfried August Bürger
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typepoem
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Lenardo und Blandine.

                            Blandine sah her, Lenardo sah hin
Mit Augen, erleuchtet vom zärtlichsten Sinn,
Blandine, die schönste Prinzessin der Welt,
Lenardo der Schönsten zum Diener bestellt.

Zu Land und zu Wasser, von nah und von fern
Erschienen viel Fürsten und Grafen und Herrn
Mit Perlen, Gold, Ringen und Edelgestein,
Die schönste der schönen Prinzessen zu frein.

Allein die Prinzessin war Perlen und Gold,
War Ringen mit blankem Gestein nicht so hold,
Als oft sie ein würziges Blümlein entzückt,
Vom Finger des schönsten der Diener gepflückt.

Der schönste der Diener trug hohes Gemüth,
Abschon nicht entsprossen aus hohem Geblüt.
Gott schuf ja aus Erden den Ritter und Knecht,
Ein hoher Sinn adelt auch nieders Geschlecht.

Und als sie mal draußen in fröhlicher Schaar,
Von Schranzen umlagert, am Apfelbaum war,
Und Alle genossen der lieblichen Frucht,
Die emsig der flinke Lenardo gesucht,

Da bot die Prinzessin ein Aepfelchen rar
Aus ihrem hellsilbernen Körbchen ihm dar,
Ein Aepfelchen, rosicht und gülden und rund;
Dazu sprach ihr holdseliger Mund:

»Nimm hin für die Mühe! der Apfel sei dein!
Das Leckere wuchs nicht für Prinzen allein.
Er ist ja so lieblich von außen zu sehn;
Will wünschen, was drin ist, sei zehn Mal so schön.«

Und als sich der Liebling gestohlen nach Haus,
Da zog er, o Wunder! ein Blättchen heraus.
Das Blättchen im Apfel saß heimlich und tief;
Drauf stand gar trauliche geschrieben ein Brief:

»Du schönster der Schönsten von nah und von fern,
Du Schönster von Fürsten und Grafen und Herrn,
Der du trägst züchtiger höher Gemüth
Als Fürsten und Grafen aus hohem Geblüth!

Dich hab' ich vor Allen zum Liebsten erwählt;
Dich trag' ich im Herzen, das sehnend sich quält.
Mich labet nicht Ruhe, mich labet nicht Rast,
Bevor du gestillet dies Sehnen mir hast.

Zur Mitternachtsstunde laß Schlummer und Traum,
Laß Bette, laß Kammer und suche den Baum,
Den Baum, der den Apfel der Liebe dir trug!
Dein harret was Liebes; nun weißt du genug.« –

Das däuchte dem Diener so wohl und so bang'!
So bang' und so wohl! Er zweifelte lang';
Viel zweifelt' er her, viel zweifelt' er hin;
Von Hoffen und Ahnen war trunken sein Sinn.

Doch als es nun tief um Mitternacht war
Und still herab blinkte der Sternlein Schaar,
Da sprang er vom Lager, ließ Schlummer und Traum
Und eilt' in den Garten und suchten den Baum.

Und als er still harrend am Liebesbaum saß,
Da säuselt' im Laube, da schlich es durch's Gras;
Und eh' er sich wandte, umschlang ihm ein Arm,
Da weht' ihn ein Odem an, lieblich und warm.

Und als er die Lippen eröffnet zum Gruß,
Verschlang ihm die Rede manch durstiger Kuß;
Und eh' es ihm zugeflüstert ein Wort,
Da zog es mit sammtenem Händchen ihn fort.

Es führt' ihn allmählich mit heimlichem Tritt:
»Komm, süßer, komm, lieblicher Junge, komm mit!
Kalt wehen die Lüftchen; kein Dach und kein Fach
Beschirmet uns; komm in mein stilles Gemach!«

Und führt' ihn durch Dornen und Nessel und Stein
In einen zertrümmerten Keller hinein.
Hier flimmert' ein Lämpchen; es zog ihn entlang
Beim Schimmer des Lämpchens den heimlichen Gang. –

In Schlummer gehüllet war jedes Gesicht;
Doch ach! das Verrätheraug' schlummerte nicht.
Lenardo! Lenardo! wie wird dir's ergehn,
Noch ehe die Hähne das Morgenrot krähn? –

Weit her, von Hispaniens reichster Provinz,
War kommen ein hochstolzirender Prinz
Mit Perlen, Gold, Ringen und Edelgestein,
Die schönste der schönen Prinzessen zu frein.

Ihm brannte der Busen, ihm lechzte der Mund;
Doch hofft' er und harrt' er umsonst in Burgund;
Er warb wol und warb doch vergebens manch Jahr
Und wollte nicht weichen noch wanken von dar.

Drob hatte der hochstolzirende Gast
Bei Nacht und bei Tag nicht Ruhe noch Rast,
Und hatte zur selbigen Stunde der Nacht
Sich auf und hinaus in den Garten gemacht.

Und hatt' es vernommen und hatt' es gesehn,
Was jetzt kaum drei Schritte weit von ihm geschehn.
Er knirschte die Zähne, biß blutig den Mund:
»Zur Stunde soll's wissen der Fürst von Burgund!«

Und eilte zur selbigen Stunde der Nacht;
Ihm wehrte vergebens die fürstliche Wacht:
»Jetzt will ich, jetzt muß ich zum König hinein!
Weil Hochverrath ihn und Aufruhr bedräun. –

Hallo! Wach' auf! du Fürst von Burgund!
Dein Königsgeschmeide besudelt ein Hund;
Blandinen, dein gleißendes Töchterlein, schwächt,
Zur Stunde jetzt schwächt sie ein schändlicher Knecht.«

Das krachte dem Alten ins dumpfe Gehör.
Er liebte die einzige Tochter so sehr;
Er schätzte sie höher als Scepter und Kron'
Und höher als seinen hellstrahlenden Thron.

Wild raffte der Fürst von Burgund sich empor:
»Das leugst du, Verräther, das leugst du mir vor!
Dein Blut mir's entgelte! Das trinke Burgund,
Wofern mich belogen dein giftiger Mund.« –

»Hier stell' ich, o Alter, zum Pfande mich dar.
Auf! eile! so findet's dein Auge noch wahr.
Mein Blut dir's entgelte! Das trinke Burgund,
Wofern dich belogen mein redlicher Mund.«

Da rannte der Alte mit blinkendem Dolch.
Ihm nach kroch der verräthrische Molch
Und wies ihn durch Dornen und Nessel und Stein
Stracks in den zertrümmerten Keller hinein.

Hier prangte vor Zeiten ein lustiges Schloß,
Das längst schon in Schutt und in Trümmer zerschoß.
Noch wölbten sich Keller und Halle. Von vorn
Verbargen sie Nessel und Distel und Dorn.

Die Halle war wenigen Augen bekannt;
Doch wer der Halle war kundig, der fand
Den Weg durch eine verborgene Thür
Wol in der Prinzessin ihr Sommerlosier. –

Noch sendete durch den heimlichen Gang
Das Lämpchen der Liebe den Schimmer entlang.
Sie athmeten leise, sie schlichen gemach
Dem Schimmer des Lämpchens der Liebe sich nach;

Und kamen bald vor die verborgene Thür
Und standen und harrten und lauschten allhier:
»Horch, König! da flüstert's, – horch, König! da spricht's. –
Da! Glaubest du noch nicht, so glaubest du Nichts.«

Und als sich der Alten zum Horchen geneigt,
Erkannt' er der Liebenden Stimmen gar leicht.
Sie trieben bei Küssen und tändelndem Spiel
Des süßen Geschwätzes der Liebe gar viel:

»O Lieber! mein Lieber! was zaget dein Sinn
Vor mir, die ich ewig dein eigen nun bin?
Prinzessin am Tag nur; aber bei Nacht
Magst du mir gebieten als eigener Magd!« –

»O schönste Prinzessin! o wärest du nur
Das dürftigste Mädchen auf dürftiger Flur!
Wie wollt' ich dann schmecken der Freuden so viel!
Nun setzet dein Lieben mir Kummer an's Ziel!« –

»O Lieber! mein Lieber! laß fahren den Wahn!
Bin keine Prinzessin! Drauf sieh mich nur an!
Statt Vaters Gewalt, Reich, Scepter und Kron'
Erkies' ich den Schooß mir der Liebe zum Thron.« –

»O schönste der Schönen! dies zärtliche Wort,
Das kannst du, das wirst du nicht halten hinfort.
Durch Werben und Werben von nah und von fern
Erwirbt dich doch einer der stattlichen Herrn.

Wol schwellen die Wasser, wol hebet sich Wind;
Doch Winde verwehen, doch Wasser verrinnt.
Wie Wind und wie Wasser ist weiblicher Sinn,
So wehet, so rinnet dein Lieben dahin.« –

»Laß werben und werben von nah und von fern!
Erwirbt mich doch keiner der stattlichen Herrn!
O Süßer! o Lieber! mein zärtliches Wort,
Das kann ich, das werd' ich dir halten hinfort.

Wie Wasser und Wind ist mein liebender Sinn.
Wol wehen die Winde, wol Wasser rinnt hin;
Doch alle verwehn und verrinnen ja nicht,
So ewig mein quellendes Lieben auch nicht.« –

»O süße Prinzessin, noch zag' ich so sehr!
Mir ahnet's im Herzen, mir ahnet's, wie schwer!
Die Bande zerreißen, der Treuring zerbricht,
Worüber der Himmel den Segen nicht spricht.

Und wenn es der König, o, wenn er's erfährt,
So triefet mein Leben am blutigen Schwert,
So mußt du dein Leben, verriegelt allein,
Tief unter dem Thurm im Gewölbe verschrein.« –

»Ach Lieber! der Himmel zerreißet ja nicht
Die Knoten, so Treue, so Liebe sich flicht.
Der seligen Wonne bei nächtlicher Ruh',
Der höret, der sieht kein Verräther ja zu.

Komm her, o komm her nun, mein trauter Gemahl,
Und küss' mir den Kuß der Verlobung einmal!« –
Da kam er und küßt' ihr den rosichten Mund,
Drob alle sein Zagen im Herzen verschwund.

Sie trieben bei Küssen und tändelndem Spiel
Des süßen Geschwätzes der Liebe noch viel.
Da knirschte der König, da wollt' er hinein;
Doch ließen ihn Schlösser und Riegel nicht ein.

Nun harrt' er und harrte mit schäumendem Mund,
Wie vor der Höhle des Wildes ein Hund.
Den Liebenden drin, nach gepflogener Lust,
Ward enger und bänger von Ahnung die Brust. –

»Wach' auf, Prinzessin! Der Hahn hat gekräht!
Nun laß mich, bevor sich der Morgen erhöht!« –
»Ach, Lieber, ach bleib noch! Es kündet der Hahn
Die erste der nächtlichen Wachen nur an.« –

»Schau' auf, Prinzessin! Der Morgen schon graut!
Nun laß mich, bevor uns der Morgen erschaut!« –
»Ach, Trauter, ach bleib noch! Der Sternlein Licht
Verräth ja die Gänge der Liebenden nicht.« –

»Horch auf, Prinzessin! Da wirbelt ein Ton,
Da wirbelt die Schwalbe das Morgenlied schon!« –
»Ach Süßer! ach bleib noch! Es ist ja der Schall
Der liebeflötenden Nachtigall.« ...

»Nein! Laß mich! Der Hahn hat zum Morgen gekräht;
Schon leuchtet der Morgen; die Morgenluft weht;
Schon wirbelt die Schwalbe den Morgengesang,
O laß mich! Wie wird mir um's Herze so bang!« ...

»Ach Süßer!... Leb' wohl dann!... Nein, bleib noch!... Ade!...
O weh mir! Wie thut's mir im Busen so weh!...
Weis' her mir dein Herzchen!... Ach, pocht ja so sehr!...
Hab' lieb mich, du Herzchen! Auf morgen Nacht mehr!« –

»Schlaf süß! Schlaf wohl!« Da schlüpft er hinaus;
Ihm fuhren durch's Leben Entsetzen und Graus;
Es roch ihm wie Leichen; er stolpert' entlang
Beim Schimmer des traurigen Lämpchens den Gang.

Hui! sprangen die Beiden vom Winkel herbei
Und bohrten ihn nieder mit dumpfem Geschrei;
»Da! Hast du gefreit um den Thron von Burgund,
Da hast du die Mitgift! da hast du sie, Hund!« –

»O Jesu Maria! erbarme dich mein!« –
Drauf hüllte sein brechendes Auge sich ein.
Ohne Beicht', ohne Nachtmahl, ohne Absolution
Flog seine verzagende Seele davon.

Der Prinz von Hispania, schäumend vor Wuth,
Zerhieb ihm den Busen mit knirschendem Muth:
»Weis' her mir dein Herzchen! Ach, pocht ja so sehr! –
Hast lieb gehabt, Herzchen? Hab's morgen Nacht mehr!«

Und riß ihm vom Busen das zuckende Herz
Und kühlte sein Müthchen mit gräßlichem Scherz:
»Da hab' ich dich; Herzchen! Ach, pochst ja so sehr!
Hab' lieb nun, du Herzchen! Hab's morgen Nacht mehr!« –

Indeß die Prinzessin, ach! zagte so sehr!
Zerwarf sich im Schlummer und träumte, wie schwer!
Von blutigen Perlen in blutigem Kranz,
Von blutigem Gastmahl und höllischem Tanz.

Sie warf sich im Bette, so müde, so krank,
Den kommenden Morgen und Tag entlang:
»O wenn's doch erst wieder tief Mitternacht wär'!
Komm, Mitternacht, führe mein Labsal mir her!«

Und als es nun wieder tief Mitternacht war
Und still herab blinkte der Sternlein Schaar:
»O weh mir! Mein Busen! was ahnet wol dir?«
Horch! horch! da knarrte die heimliche Thür.

Ein Junker in Flor und in Trauergewand
Trug Fackel und Leichengedeck in der Hand,
Trug einen zerbrochenen blutigen Ring
Und legt' es darnieder stillschweigend und ging.

Ihm folgt' ein Junker in Purpurgewand,
Der trug ein goldnes Geschirr in der Hand,
Versehen mit Henkel und Deckel und Knauf
Und oben ein königlich Siegel darauf.

Ihm folgt' ein Junker im Silbergewand
Mit einem versiegelten Brief in der Hand,
Er gab der erstarrten Prinzessin den Brief
Und ging und neigte sich schweigend und tief.

Und als die erstarrte Prinzessin den Brief
Erbrach und mit rollenden Augen durchlief,
Umflirrt' es ihr Antlitz wie Nebel und Duft;
Sie stürzte zusammen und schnappte nach Luft. –

Und als sie mit zuckender, strebender Kraft
Sich wieder ermannt und dem Boden entrafft:
»Juchheisa!« da sprang sie, »juchheisa! Tralla!
Auf lustig, ihr Fiedler, mein Brauttag ist da!

Juchheisa! Ihr Fiedler, zum lustigen Tanz!
Mir schweben die Füße, mir flattert der Kranz!
Nun tanzet, ihr Prinzen von nah und von fern!
Auf lustig, ihr Damen! Auf lustig, ihr Herrn!

Ha! Seht ihr nicht meinen Herzliebsten sich drehn
Im Silbergewande, wie herrlich, wie schön!
Ihn zieret am Busen ein purpurner Stern.
Juchheisa, ihr Damen! Juchheisa, ihr Herrn!

Auf! lustig zum Tanze! Was steht ihr so fern?
Was rümpft ihr die Nasen, ihr Damen und Herrn?
Mein Bräutigam ist er! Ich heiße die Braut!
Uns haben die Engel im Himmel getraut.

Zu Tanze, zu Tanze! Was grinset ihr fern?
Was rümpft ihr die Nasen, ihr Damen und Herrn? –
Weg, Edelgesindel! Pfui! stinkest mir an!
Du stinkest nach stinkender Hoffart mir an!

Wer schuf wol aus Erden den Ritter und Knecht?
Ein hoher Sinn adelt auch niedres Geschlecht.
Mein Schönster trägt hohen und züchtigen Muth
Und speiet in euer hochadliges Blut.

Juchheisa! Ihr Fiedler, zum lustigen Tanz!
Mir schweben die Füße, mir flattert der Kranz!
Juchheisa! Trallala! Juchheisa! Tralla!
Auf lustig, ihr Fiedler, mein Brauttag ist da!«

So sang sie zum Sprunge, so sprang sie zum Sang,
Bis aus der Stirn ihr der Todesthau drang.
Der Todesthau troff ihr die Wangen herab;
Sie taumelt' und keuchte zu Boden hinab.

Und als sich ihr Leben zum letzten ermannt,
Da streckte sie nach dem Gefäße die Hand,
Und schlang's in die Arme und hielt es im Schooß
Und deckte, was drinnen verborgen war, bloß.

Da rauchte, da pocht' ihr entgegen sein Herz,
Als fühlt' es noch Leben, als fühlt' es noch Schmerz.
Jetzt that sich ihr blutiger Thränenquell auf
Und strömte wie Regen vom Dache darauf.

»O Jammer! Nun gleichest du Wasser und Wind!
Wol Winde verwehen, wol Wasser verrinnt;
Doch alle verwehn und verrinnen ja nie! –
So du, o blutiger Jammer, auch nie!«

Drauf sank sie mit hohlem gebrochenen Blick
In dumpfen Todestaumel zurück
Und drückte noch fest mit zermalmendem Schmerz
Das Blutgefäß an ihr liebendes Herz.

»Dir lebt' ich, o Herzchen, dir sterb' ich mit Lust! –
O weh mir! O weh! – Du zerdrückst mir die Brust! –
Herab! – Herab! – den zerquetschenden Stein!
O! – Jesu Maria! – erbarme dich mein!« –

Drauf schloß sie die Augen, drauf schloß sie den Mund.
Nun rannten die Boten; dem König war's kund;
Laut scholl durch die Säle das Zetergeschrei:
»Prinzessin ist hin! Auf, König, herbei!«

Das krachte dem Alten ins dumpfe Gehör.
Er liebte die einzige Tochter so sehr;
Er schätzte sie höher als Scepter und Kron'
Und höher als seinen hellstrahlenden Thron. –

Und als auch herbei der Verräther mit sprang,
Ergrimmte der Alte: »Das hab' ich dir Dank!
Dein Blut mir's entgelte! Das trinke Burgund!
Weil das mir gerathen dein giftiger Mund.

Ihr Herzblut verklagt dich vor Gottes Gericht,
Das dir dein blutiges Urthel schon spricht.«
Rasch zuckte der Alten den blinkenden Dolch
Und bohrte danieder den spanischen Molch.

»Lenardo, du Armer! Blandine, mein Kind! –
O heiliger Himmel! verzeih mir die Sünd'!
Verklaget nicht mich auch vor Gottes Gericht!
Ich bin ja, – bin Vater! – Verklaget mich nicht!« –

So weinte der König, so reut' ihn zu spat,
Schwer reut' ihn die himmelanschreiende That.
Drauf wurde bereitet ein silberner Sarg,
Worein er die Leichen der Liebenden barg.

 


 

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