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Friedrich Gottlieb Klopstock: Gedichte - Kapitel 42
Quellenangabe
typepoem
authorFriedrich Gottlieb Klopstock
titleGedichte
created19990327
modified20170523
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Unsre Sprache an uns

Im November 1796

       

Nazion, die mich redet, du willst es also auf immer
Dulden, daß der Deinen so viel mich verbilden? Gestalt mir
Geben, die einst ich von dir nicht empfing? daß sie meines Schwunges
Weise Kühnheit mir rauben? mich mir selbst?

Unterwürfige Dulderinn, nun so schlummre denn! Ich bin
Deiner, wie einst du warest, nicht würdig, oder ich duld' es
Länger nicht, und ich lass' hinsterben den neuen Unton,
Gleich dem Nachhall', und bleibe, die ich war.

Weil ich die bildsamste bin von allen Sprachen; so träumet
Jeder pfuschende Wager, er dürfe getrost mich gestalten,
Wie es ihn lüste? Man dehnt mir zum Maule den Mund; mir werden
Von den Zwingern die Glieder sogar verrenkt.

Selbst Umschaffungen werden gewagt. So entstellte die Fabel
Venus zum Fisch', Apollo zum Raben, zur Tigerinn Thetis,
Delius Schwester zur Katze, zum Drachen den Epidaurer,
Und zu der Heerde Führer dich, Jupiter.

Wer mich verbrittet, ich hass' ihn! mich gallizismet, ich hass' ihn!
Liebe dann selbst Günstlinge nicht, wenn sie mich zur Quiritinn
Machen, und nicht, wenn sie mich verachä'n. Ein erhabnes Beispiel
Ließ mir Hellänis: Sie bildete sich durch sich!

Meiner Schwester Hellänis Gesang ist Gesang der Sirenen;
Aber sie will nicht verführen. Ich wär die Schuldige; folgt' ich,
Gleich 'ner Sklavinn, ihr nach! Dann kränzte mich nicht der Lorber,
Daphne zuvor, nicht die Eiche, die Hlyn einst war.

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