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Friedrich Gottlieb Klopstock: Gedichte - Kapitel 36
Quellenangabe
typepoem
authorFriedrich Gottlieb Klopstock
titleGedichte
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An den Erlöser

(1773)

                       

Ich hofft' es zu dir! und ich habe gesungen,
Versöhner Gottes, des neuen Bundes Gesang!
Durchlaufen bin ich die furchtbare Laufbahn;
Und du hast mir mein Straucheln verziehn!

Beginn den ersten Harfenlaut,
Heißer, geflügelter, ewiger Dank!
Beginn, beginn, mir strömet das Herz!
Und ich weine vor Wonne!

Ich fleh' um keinen Lohn; ich bin schon belohnt,
Durch Engelfreuden, wenn ich dich sang!
Der ganzen Seele Bewegung
Bis hin in die Tiefen ihrer ersten Kraft!

Erschüttrung des Innersten, daß Himmel
Und Erde mir schwanden!
Und flogen die Flüge nicht mehr des Sturms; durch sanftes Gefühl,
Das, wie des Lenztags Frühe, Leben säuselte.

Der kennt nicht meinen ganzen Dank,
Dem es da noch dämmert,
Daß, wenn in ihrer vollen Empfindung
Die Seele sich ergeußt, nur stammeln die Sprache kann.

Belohnt bin ich, belohnt! Ich habe gesehn
Die Thräne des Christen rinnen:
Und darf hinaus in die Zukunft
Nach der himmlischen Thräne blicken!

Durch Menschenfreuden auch. Umsonst verbürg' ich vor dir
Mein Herz der Ehrbegierde voll.
Dem Jünglinge schlug es laut empor; dem Manne
Hat es stets, gehaltner nur, geschlagen.

Ist etwa ein Lob, ist etwa eine Tugend,
Dem trachtet nach! Die Flamm' erkohr ich zur Leiterin mir!
Hoch weht die heilige Flamme voran, und weiset
Dem Ehrbegierigen besseren Pfad!

Sie war es, sie that's, daß die Menschenfreuden
Mit ihrem Zauber mich nicht einschläferten;
Sie weckte mich oft der Wiederkehr
Zu den Engelfreuden!

Sie weckten mich auch, mit lautem durchdringenden Silberton,
Mit trunkner Erinnrung an die Stunden der Weihe,
Sie selber, sie selber die Engelfreuden,
Mit Harf' und Posaune, mit Donnerruf!

Ich bin an dem Ziel, an dem Ziel! und fühle, wo ich bin,
Es in der ganzen Seele beben! So wird es (ich rede
Menschlich von göttlichen Dingen) uns einst, ihr Brüder deß,
Der starb! und erstand! bey der Ankunft im Himmel seyn!

Zu diesem Ziel hinauf hast du,
Mein Herr! und mein Gott!
Bey mehr als Einem Grabe mich,
Mit mächtigem Arme, vorübergeführt!

Genesung gabst du mir! gabst Muth und Entschluß
In Gefahren des nahen Todes!
Und sah ich sie etwa die schrecklichen unbekannten,
Die weichen mußten, weil du der Schirmende warst?

Sie flohen davon! und ich habe gesungen,
Versöhner Gottes, des neuen Bundes Gesang!
Durchlaufen bin ich die furchtbare Laufbahn!
Ich hofft' es zu dir!

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