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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Gedichte - Kapitel 9
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorChristian Hofmann von Hofmannswaldau
year1994
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3150088895
titleGedichte
sendergerd.bouillon@t-online.de
correctorreuters@abc.de
modified20160907
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NIemand weiß wie schwer mirs fällt

NIemand weiß wie schwer mirs fällt /
Flammen in der brust zu hegen;
    Und sie dennoch für der welt /
Nicht ans freye licht zu legen.
Feuer läst sich nicht verhelen;
    Denn sein glantz ist allzuklar /
Und die glut verliebter seelen
    Macht sich selber offenbar.

    Hundert augen die von neid
Und von lauter argwohn brennen /
    Sind auff mich zu sehn bereit /
Ob sie was vermercken können.
Noch verberg ich meine schmertzen /
    Daß man keine funcken sieht /
Da die liebe doch im hertzen
    Wie ein andrer Aetna glüht.

    Dieses ist der liebe kunst /
Amor suchet finsternissen /
    Und von seiner stillen brunst /
Muß der helle tag nichts wissen.
Venus bricht mit ihrem sterne
    Erst bey dunckler nacht herein /
Daß die zarte jugend lerne
    In der liebe heimlich seyn.

    Drum gewehne dich mein muth /
Deine flammen zu verschweigen;
    Laß von der verborgnen glut
Weder mund noch auge zeugen.
Must du dich gleich etwas zwingen /
    Ist gleich die verstellung schwer;
Aus den allerschwersten dingen
    Kommt die gröste lust offt her.

    Perlen liegen eingeschrenckt
In den harten muschel-häusern.
    Wer auff frische rosen denckt /
Sucht sie in den dornen-reisern.
Honig ist nicht ohne bienen.
    Wer in Canaan will stehn /
Muß erst in Egypten dienen /
    Und durch meer und wüsten gehn.

    Vielleicht wird des himmels gunst
Mir das glück noch künfftig gönnen /
    Daß die kohlen meiner brunst
Offenbarlich brennen können.
Itzo schreib ich meinem hertzen
    Diesen wahren denck-spruch ein:
Feuers-glut und liebes-schmertzen
    Müssen wohl bewahret seyn.

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