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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Gedichte - Kapitel 48
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorChristian Hofmann von Hofmannswaldau
year1994
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3150088895
titleGedichte
sendergerd.bouillon@t-online.de
correctorreuters@abc.de
modified20160907
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Vergänglichkeit.

ENtferne dich du eitles wesen /
    Dein schnödes blendwerck treugt mich nicht /
Mein fester sinn hat ihm erlesen /
    Das weder zeit noch wechsel bricht.
        Dein falsches scheinen
        In glück und freud /
        Kehrt bald in weinen
        Der schnellen zeit
        Vergänglichkeit.

Wie blumen / die des sommers blühen /
    Und wenn der abend sich einstellt /
Sich zu der erden niederziehen /
    So ist das wesen dieser welt.
        Wohl! wer im leben /
        Bey freud und leid /
        Sich nicht ergeben
        Der schnellen zeit
        Vergänglichkeit.

Wo sind die theuren Mausoleen?
    Wo der palläste göldne pracht?
Wo sind Egypten deine höhen?
    Die zeit hat staub daraus gemacht.
        Wohl! wer im leben etc.

Wen itzt das glücke hochgestellet /
    Dem man geküsset fuß und hand /
Des stuhl wird alsbald umgefället /
    Von dieser zeit in unbestand.
        Wohl! wer im leben etc.

Der schönheit theure himmels-waare /
    Der gestern man als einem GOtt
Gebauet tempel und altare /
    Wird heute motten / asch und koth.
        Wohl! wer im leben etc.

Was hilfft der schatz / der kaum zu zehlen?
    Er mehret nur der sorgen harm /
Ein böser tag kan uns ihn stehlen /
    So sind wir gleich den bettlern arm.
        Wohl! wer im leben etc.

Zwar güter / muth und frische glieder
    Sind werthe gaben / wer sie hat;
Doch schlägt ein unfall jene nieder /
    Und diese macht ein windlein matt.
        Wohl! wer im leben etc.

Die zeit reist kron und purpur abe /
    Zeit ist der dinge rauberin;
Die zeit trägt alle welt zu grabe /
    Der zeit kan keine zeit entfliehn.
        Wohl! wer im leben etc.

Ist nichts beständige nun zu finden /
    So nicht der zeiten zahn verzehrt /
Wer will sein thun hier feste gründen /
    Weil alles wie ein kleid verfährt.
        Wohl! wer im leben etc.

Fleuch nun du schatten-gleiches wesen /
    Dein schnödes blend-werck treugt mich nicht.
Mein sinn hat ihm vor dich erlesen /
    Was weder zeit noch wechsel bricht.
        Mein gantzes leben
        Zu iederzeit /
        Bleibt fest ergeben /
        In freud und leid /
        Der ewigkeit.

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