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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Gedichte - Kapitel 41
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorChristian Hofmann von Hofmannswaldau
year1994
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3150088895
titleGedichte
sendergerd.bouillon@t-online.de
correctorreuters@abc.de
modified20160907
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Liebe Zwischen Rudolphen Königen in Burgundien
und Einer führnehmen Marckgräfin Ermegarden /

DAmals als es wegen RegierungsSachen in Italien oder vielmehr in Lombardien ziemlich verworren hergieng / und einer dem andern entweder mit Gewalt oder mit List von dem Throne drang / geschahe es / daß nach Königs Berengars Tode / so vom Flamberten jämmerlich ermordet worden / Rudolph König in Burgundien / wie er albereit einen guten Anfang gemachet / sich des Reiches anmassete. Es lebete dazumahl eine junge Wittib / eines mächtigen Marckgrafens hinterlassene Gemahlin / eine von den anmuthigsten ihrer Zeit / und die ihr hochangelegen seyn ließ den Scepter der Liebe und des Regiments zugleich in ihren Händen zuführen. Die Großen / gegen die itztgedachte Heldin nicht zu unbarmhertzig war / hielten es vor eine Ehre aus derselben Munde Gesetze zuempfangen / den sie so offt mit Liebligkeit zuvor geküst hatten / und der gemeine Mann billichte das Urtheil der Fürnehmen / wie dann auch mehr gedachte Marckgräfin sich allbereit der Hauptstadt in Lombardi Paviens bemächtiget / und in wenig anderer Beschaffenheit als Königin darin Hof hielt. Rudolphen / der wegen hochwichtiger Geschäfte auf etliche Zeit in sein voriges Königreich Burgundien gereiset war / gefiel diese gefährliche Neuerkeit über die massen übel / wie er dann auch schleunig mit einer ziemlichen Kriegesmacht nach Italien rückte / und mit denen Völckern / so ihm der Bischoff von Meilandt zugesendet / sich vor Pavie legte / in Meinung die Löwin nunmehr in ihren Lager zubesuchen. Ermegarde / so keine Mittel mehr übrig sahe / sich gegen diesen strengen Feind zuschützen / vertrauete endlich die Sache der Feder / und schrieb an Rudolphen durch eine gewisse Persohn einen Brief / der ihm auch ich weiß nicht durch was verborgene Kraft / dahin trieb das er die seinigen zuverlassen / und zu dieser süssen Feindin zufliehen ihm fürnahm. So muß / wann das Verhängnüß will / der Harnisch zu einem Hochzeitkleide / und der Wall zu einem Brautbette werden. Rudolph gieng selbige Nacht / als er ihm seine Flucht fürgenommen / zeitlich schlaffen / wenig Stunden hernach machte er sich auff / und flohe nebenst einen abgeordneten / der ihm den Weg zeigte / eilend auf Pavie. Wie ihn alda die hitzige Ermegarde wird empfangen haben / gebe ich diesen zuerwegen / so in dergleichen Sachen nachdencklicher als ich seyn. Dieses melden die Geschichtschreiber / daß seine Obersten bey angebrochenen Tage etliche Stunden nicht gewust / was sie wegen so langer Ruh ihres Königes ihnen gedencken solten / endlich aber aus Argwohn daß er nicht etwa wie ein Holofernes ermordet sein möchte / die Cammer eröffnet und ein leeres Bett angetroffen haben. Da denn auch bald erschollen / daß Rudolph sich nach keiner Judith / sondern einer Helenen umgesehen / weßwegen denn und aus Furcht eines geschwinden Uberfalles sich das gantze Läger verlauffen / diese zwey Liebhabende aber von diesem Reiche endlich nichts mehr genossen / als die liebreiche Hoffnung / das Sie haben regieren wollen.

Ermegarde an Rudolphen.

HIer ist ein kleiner Brief mit Schertz und Ernst gefüllet /
Der Gall' und Honigseim in seiner Schoß enthällt /
Auß welchen / gläub es mir / dir Todt und Leben qvillet /
Erwehle dir nunmehr dieß was dir wohlgefällt.
Ich lasse dich itzund mich ohne Maßqve schauen /
Ich stelle deinen Fall in hellen Farben für /
Und willst du allzuviel auf deine Reuter trauen /
So hab ich mehr als du: die Hertzen seyn bey mir.
Ein Wort / ein Blick von mir kann tausend Lantzen stehlen /
Die besten Bogen seyn auf mein Geboth gespannt /
Es wird mir nimmermehr an grossen Helden fehlen /
Als Schlangen hab ich sie zu meiner Fahn gebannt.
Waß nur zwey Finger rührt hat dir den Todt geschworen /
Du bist mir allbereit im Geiste hingericht /
Begrüst du mich als Feind / so halt dich vor verlohren /
Verschertze doch dein Volck und dich auch selber nicht.
Was nur nach Eisen reucht begehrt dich zuerdrücken /
Drum / dencke wo du bist / und endlich was du thust /
Ich darf nur einen Blick nach deinem Lager schicken /
So kehrt dein eigen Schwerdt sich gegen deine Brust.
Ach König wilt du dich mit Hoffnungsspeisen nehren /
Sie blehen trefflich auf und geben keine Krafft /
Wer ohne rechten Grund will allzuviel begehren /
Dem wird auch was er hat / noch endlich hingeraft.
Kein Spiegel treuget mehr / als den der Wahn uns zeiget /
Gefahr muß hier ein Zwerg / Gelück ein Riese seyn /
Man schaut wie unsre Lust aus ZuckerRosen steiget /
Man spüret keine Nacht / nur lauter Sonnenschein.
Es zeiget sich allhier ein Jahrmarckt voller Cronen /
Die Scepter scheinen uns wie ein gemeiner Stab /
Die LorberKräntze seyn gemeiner als die Bohnen /
Hier ist kein HeldenFall und auch kein TodtenGrab.
Doch endlich will uns nur diß LustSchloß gantz verschwinden /
Der Fürhang fällt herab / das Spiel ist ausgemacht /
Die Lampen leschen aus / es ist nichts mehr dahinden /
Man mercket nichts als Rauch / und spühret nichts als Nacht.
Dann steht man gantz betrübt mit wunder-schlaffen Händen /
Und schaut was man gethan / mit neuen Augen an;
Wohl diesem der sich nicht die Hofnung läst verblenden /
Und seinen Irrthum noch vernünfftig ändern kann.
Vermeinst du daß ich hier mit blossen Worten schrecke /
Und dieses alles nur pappierne Feindschafft sey /
So bitt' ich dich / zerreiß der Augen faule Decke /
Und mache dich nun selbst der falschen Blendung frey.
Ich warne noch itzund / es ist ein LiebesZeichen /
Hier ist noch Sonnenschein / und nicht ein Donnerkeil /
Allhier versuch ich noch ob ich dich kan erweichen /
Dann find ich keinen Feind / so brauch ich keinen Pfeil.
Wird durch mein Schreiben nu dein Schwerd zur Ruh geleget /
So fahr ich Himmel an und wünsche das der Tag /
In welchen Rudolph hat die Waffen hingeleget /
In der Geschichten Buch der Nachwelt kommen mag.
Ich weiß des Ruhmes Hand wird dich mit Blättern ziehren /
Die immer grüne stehn / die keine Zeit befleckt /
Und deinen Nahmen wird sein Flügel weiter führen /
Als wo der Elephant sich an die Sonne streckt.
Gedencke was du hast zu deinen Feind erkohren /
Und gegen was dein Volck itzund ein Lager schlägt;
Du weist es ohne mich / ich bin ein Weib gebohren /
Doch die ein MannesHertz in zartem Leibe trägt;
Ich bin es nicht gewohnt also bedient zuwerden /
Geburth und Eigenschafft treibt mich zuhöhern an /
Ach König glaub es mir / die Anmuth der Geberden
Hat gegen Frauen mehr / als Schwerd und Helm gethan.
Was nicht sein Segel streicht / was nicht die Lantze sencket /
Dem bleibet Thor und Post verschlossen iederzeit /
Und welcher Held bey mir zu siegen ihm gedencket /
Der waffne seine Brust zuvor mit Höffligkeit.
Es wird dein gantzes Heer eh' alle Köcher leeren /
Als du bezwingen wirst das edele Pavi' /
Du wirst durch solchen Streit nichts als dich selbst verzehren /
Drum so du siegen wilst / so sieg auch ohne Müh.
Ich lasse / bist du Freund / dir Hertz und Gatter offen /
Doch ließ auch dieses Wort / dir eintzig und allein /
Dergleichen hat dein Volck zu keiner zeit zuhoffen /
Du solt von mir geküßt und Sie geschlagen seyn.
Der Bothe / den du schaust / der wird dich sicher führen /
Der Außzug aller Lust erwartet deiner hier /
Und läßt du dir dein Häupt mit einer Crone ziehren /
So schau auch ob sie mir so zierlich steht wie dir.
Laß deinen hohen Geist dich nicht zurücke lencken /
Man kan nicht allezeit mit vollem Segel gehn /
Wer alle Stunden will auf Berg und Wippel dencken /
Wird offtmahls in dem Thal und bey der Wurtzel stehn;
Du bist / ich schwere dir / dißmahl zuweit gegangen /
Und wer ich Feindin nicht allhier dein bester Rath /
So hätte dich das Garn / als wie ein Wild gefangen /
Verachtest du die Hand / so dich erlöset hat?
Ich bin kein schlechtes Weib / wer rühmt nicht mein Geblüthe?
Ist meiner Ahnen Lob dir nicht genug bekannt?
Es lobt sich ohne mich; mein hurtiges Gemüthe
Wird endlich fast zugroß vor dieses weite Landt.
Kom / kom und säume nicht / itzt hast du Zeit zu eilen /
Schmach und Verrätherey will deiner Crone bey;
Auf Schwerdtern stehest du / und unter tausend Pfeilen /
Ach lerne daß dein Schutz bey deiner Feindin sey.
Dir beuth der stoltze Po den Silberweissen Rücken /
Die Vorburg / ja mein Schloß nimt dich mit Freuden an /
Der Weg ist dir gebähnt: dem manglen keine Brücken /
Wer die Gelegenheit vernünfftig brauchen kan.

Rudolph an Ermegarden.

ICh weiß nicht was dein Brief vor Regung in mich jaget /
Ein Wort das warnet mich / das andre dreuet mir /
Es scheint wie ieder Reim mir in die Ohren saget /
Ach Rudolph siehe dich auch vor dir selber für.
Ich sage wie es ist / ich kam hieher zufragen /
Was vor ein stoltzes Haubt die welsche Crone sucht /
Man schaute dieses Heer Schwerdt / Pfeil und Feuer tragen /
Es ward Pavie und du von iederman verflucht.
Mein heisses Hertze lag voll heisser ZornesFlammen /
Mich deucht / ein Blick von mir der steckte Dörfer an /
Wie reimt sich aber heut und gestern doch zusammen?
Wohl dem der allezeit beständig bleiben kan.
Ihr Frauen traget nur das Kraut in euren Händen /
So Stahl zu weichem Wachs und Stein zu Wasser macht /
Ihr könt / O schöne Kunst / den Himmel selbst verblenden /
Und seyd bey eurer Lust auf unsre Noth bedacht.
Ihr brauchet unsern Witz / als wie das Schilff im Strande /
Bald richtet ihr ihn auf / bald drücket ihr ihn ein /
Ihr baut euch eine Burg aus Steinen unsrer Schande /
Und heist uns offtermahls nur viertel Menschen seyn.
Ihr streicht oft unser Schwerd damit ihr wolt verwunden /
Mit süssen Balsam an / schlagt und beklagt zugleich /
Der Krancken lachet ihr und schont nicht der Gesunden /
Und unsre Dienstbarkeit ist euer Königreich.
Das weigern wisset ihr mit Freundschafft zuverkleiden /
Ihr weint bey dessen Noth / der euch doch Thäter nennt /
Ihr überredet uns in Wehmuth selbst zu leiden /
In dem uns Hertz und Geist ohn alle Hülffe brennt.
Ihr seyd ja der Natur berühmte Wunderwercke;
Man nennt euch kalt von Arth / und steckt die Männer an /
Man heist euch schwachen Zeug / und spottet unsrer Stärcke /
Man braucht euch nicht in Krieg / und führt die SiegesFahn;
Was wil ich aber euch noch EhrenSäulen bauen /
Es ist zuviel gebaut / man macht mich selbst dazu /
Ich meinte Pavie im Feuer anzuschauen /
Was itzo brennen soll / O Hertze / das bist du.
Ich bin nicht was ich war / ich bin mir frembde worden /
Mein Fessel lieb ich mehr als vormals Helm und Schwerdt /
Diß Leiden nennt mein Brief zwar einen strengen Orden /
Doch in den Hertzen schein ich nicht der Marter werth.
Die Wunden jucken mich / ich spiele mit den Banden /
Der Ketten scharffer Schall ist mir ein Lautenklang /
Ich lache / wenn mein Schiff der Freyheit komt zustranden /
Und Seuffzer seyn nunmehr der beste Lobgesang.
Nun / Ermegarde schau diß was du selbst erfunden /
Ließ diesen kleinen Brief / den deine List erdacht /
Die Dint' ist anders nichts als Blut aus meinen Wunden /
Durch heisse LiebesBrunst verbrennt und schwartzgemacht.
Für dir leg ich gebückt die steiffe Lantze nieder /
Mein Helm berührt itzund in Demuth deinen Fuß /
Und ist ein König dir nicht allzusehr zuwieder /
So geb ich als ein Knecht dir einen heissen Kuß.
Mein wohlgewapfnet Heer gedenck ich zuverlassen /
Und werde nu verblendt ein PossenSpiel der Welt /
Will mich dein schöner Arm mit seiner Gunst ümfassen /
So mein ich daß ich sey dem Himmel zugesellt.
Der Purpur den dein Mund auf seinen Lippen führet /
Das Gold / so die Natur in deine Haare flicht /
Und mehr / das süsse Gifft / so deine Briefe ziehret /
Hat mich / wie starck ich war / verborgen hingericht.
Mich däucht ein süsser Dampf stieg aus den kleinen Schreiben /
Es grief ein Nebel mich und meine Kräfften an /
Ich fühlte mich alsbald durch eine Regung treiben /
Der auch die Herrschafft selbst muß werden unterthan.
Sie riß mich aus mir selbst / sie brach mir Geist und Willen /
Und machte daß ich itzt mir nicht mehr ähnlich bin /
Sie hieß auch diesen Trieb / den du erweckst / erfüllen /
Und giebt mich endlich dir als einen Sclaven hin.
Es mag mein Heer nunmehr nach seinem Willen leben /
Als FeldHerr schau ich itzt nicht ihren Thaten zu /
Es mag ein ieder sich wohin er will begeben /
Die Lieb ist ietzt mein Krieg / die Walstadt aber du.
Ich acht es nicht zuviel was der und jener saget /
Was trift auf dieser Welt der Menschen Urtheil nicht?
Wer alles tadeln wil was andern wohl behaget /
Wird endlich durch das Schwerdt des Unmuths hingericht.
Und wer auch alles fletscht / was der und jener hasset /
Erkieset nimmermehr / was rechte Freude heißt /
Ich folge diesem Zaum / an den ich bin verfasset /
Und der mich itzt erhitzt zu deinen Brüsten reißt.
In sieben Stunden will ich dein Gesichte schauen /
Ich wart' auff nichts so sehr als auff die Mitternacht /
Ich hoff auch / eh' es tagt / ein Lusthauß mir zubauen /
Da die Ergetzligkeit mit klaren Augen wacht.
Ich will auf deiner Brust in Freundschafft mich umschantzen /
Umbzirckt mit heisser Lust / entnommen der Gefahr /
Wir wollen mit bedacht des Friedens Oelzweig pflantzen /
Davor der KriegesDorn mit seinen stacheln war.
Es mag mein kühnes Heer sich wie es will ergetzen /
Es bleibt ein ieder ihm nur selbst der beste Rath /
Sie mögen Ihren Fuß auf Woll' und Rosen setzen /
Nach dem sein Paradieß ihr Fürst gefunden hat;
Doch treibet sie die Lust zu mehrem Streit und Kriegen /
So wiederfahr' ihn' diß was itzt ihr Wunsch begehrt /
Ich trachte diese Nacht im Felde nicht zu siegen /
Und meine Freud ist mehr'/ als ihre Beuthe werth.
Und sagte gleich die Welt / ich hätte sehr gefehlet /
Wer fehlt und fället nicht? Ich bin ein Erdenkloß /
Es ist mir / fall' ich gleich / ein schöner Orth erwehlet /
Ich falle nirgends hin / als nur in deine Schoß.

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