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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Gedichte - Kapitel 36
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorChristian Hofmann von Hofmannswaldau
year1994
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3150088895
titleGedichte
sendergerd.bouillon@t-online.de
correctorreuters@abc.de
modified20160907
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Als die Venus neulich saße

Als die Venus neulich saße
    In dem Bade nackt und bloß
    Und Cupido auf der Schoß
Von dem Liebeszucker aße,
Zeigte sie dem kleinen Knaben
Alles, was die Frauen haben.

Marmelhügel sah er liegen,
    Von Begierden aufgebaut;
    Sprach zur Mutter überlaut:
Wann werd ich dergleichen kriegen,
Daß mich auch die Schäferinnen
Und die Damen liebgewinnen?

Venus lacht aus vollem Munde
    Über ihren kleinen Sohn,
    Denn sie sah und merkte schon,
Daß er was davon verstunde.
Sprach: Du hast wohl andre Sachen,
Die verliebter können machen.

Unterdessen ließ sie spielen
    Seine Hand auf ihrer Brust,
    Denn sie merkte, daß er Lust
Hatte, weiter nachzufühlen,
Bis ihr endlich dieser Kleine
Kam an ihre zarten Beine.

Als er sich an sie geschmieget,
    Sprach er: Liebes Mütterlein,
    Wer hat an das dicke Bein
Euch die Wunde zugefüget?
Müßt ihr Weiber denn auf Erden
Alle so verwundet werden?

Venus konnte nichts mehr sagen
    Als: Du kleiner Bösewicht,
    Packe dich, du sollst noch nicht
Nach dergleichen Sachen fragen.
Wunden, die von Liebespfeilen
Kommen, die sind nicht zu heilen.

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