Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Gedichte - Kapitel 35
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorChristian Hofmann von Hofmannswaldau
year1994
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3150088895
titleGedichte
sendergerd.bouillon@t-online.de
correctorreuters@abc.de
modified20160907
Schließen

Navigation:

Mein Engel, kannst du mich nicht lieben,

Mein Engel, kannst du mich nicht lieben,
Ist meine Not dir nur ein Gaukelspiel?
Verlachest du denn mein Betrüben
Und hat dein Grausamsein kein Ziel?
      Du sagst zwar viel von deiner Güte,
                Doch wo ist Frucht?
      Ist deine Gunst nur lauter Blüte,
So ist dein Brennen nichts als Wassersuc

ht!

Warum willst du das Tor verschließen,
In dem die Liebe Einzug nehmen will?
Laß deine Brunst doch sicher schießen
Und halte meiner Regung still.
      Du darfst dich nicht, mein Engel, schämen,
            Den Ehrenpreis
      Wird niemand können von dir nehmen,
Weil ich allein von diesem Diebstahl weiß.

So darf die Furcht dich nicht verblenden,
Als wenn der Schmerz unüberwindlich sei,
Ich weiß bereits aus meinen Händen:
Die Angeln reißen nicht entzwei.
      Du wirst als Helden dich begrüßen,
            Wenn etwas Blut
      Gleich möcht aus zarten Adern fließen,
Genug: Du weißt, daß es uns sachte tut.

Will dein Gewissen nicht erschrecken,
So denk, die Jugend sei in Glut entbrannt;
Wer wird in heißen Flammen stecken,
Dem eine Löschung ist bekannt?
      Es wird das Alter bald verstören,
            Was Feuer ist,
      Und du wirst solches besser ehren,
Wenn in der Blüt du abgekühlet bist.

Ich wüßte nicht, was dich sollt neigen,
Daß deiner Schoß du keine Feier gönnst,
Ach! sorge nicht für einen Zeugen,
Weil du mein treues Lieben kennst!
      Die Kunst kommt der Natur zu Hülfe,
            Kein Anker haft',
      Wenn er gesenkt im ersten Schilfe
Und nur vom Schlunde nicht wird hingerafft.

Drum laß die Stützen voneinander,
Auf welchen dieses Schloß sich ruht.
Du weißt, ich bin nicht Alexander,
Der alles mit der Hitze tut.
      Ich will beim Kindchen erst probieren,
            Was Sanftmut sei,
      Und wo er sich nicht wird verlieren,
Alsdann zerbricht den Trotz die Macht entzwei.

Fort! Laß das warme Etwas schießen,
Das ich gefühlt und nicht zu nennen weiß,
Laß diesen Nektar mich umfließen,
Mach mich in deinen Armen heiß!
      Dein Auge selber heget Flammen
            Vom bloßen Dunst,
      Laß unsre Hitze doch zusammen,
Mach mich beseelt durch ganz erteilte Gunst!

Was hilft mir doch ein bloß Berühren,
Wenn ich die Ros vom Stock nicht pflücken soll,
Darf ich die schnöden Hände zieren
Und füllen nicht das Herze voll?
      Verachte nicht die andern Glieder,
            Weil keines schlecht –
      Sind dir die Finger nicht zuwider,
Warum ist dir der Daumen denn nicht recht?

 << Kapitel 34  Kapitel 36 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.