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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Gedichte - Kapitel 29
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorChristian Hofmann von Hofmannswaldau
year1994
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3150088895
titleGedichte
sendergerd.bouillon@t-online.de
correctorreuters@abc.de
modified20160907
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Abriß eines verliebten.

ER ist ein krancker / den ein stündlich fieber plaget /
Ein jäger / so allzeit nach einem hirsche jaget /
Ein wetterhan der stets nach einem winde steht /
Ein schif / so ungehemmt nach Cypris hafen geht.
Ein märterer der brunst / den freund und feind belachet /
Ein Morpheus / der ihm selbst bey tage träume machet /
Ein arm gefangener / der seine fessel liebt /
Und seinen hencker ehrt wenn er ihm streiche giebt.
Ein Aetna / der voll glut läst flut und ströme fliessen /
Ein hungriger / der bloß will rohes fleisch geniessen /
Ein welt-Sebastian / den Venus schütze trifft /
Ein rechter Adams-sohn / den frauen-hand vergift.
Er wird ein ander kind / läst ernste sachen fahren /
Ein haar / ein altes band / sind seine besten wahren /
Itzt baut er etwas auf / itzt reist ers wieder ein.
Itzt muß Democritus der sitten meister seyn /
Itzt ist es Heraclyt. Das hertze / so er führet /
Vergleicht sich dem metall / das ein magnet gerühret.
Sein himmel ist ihr haupt / die erd ist ihre schoos.
Hier anckert seine lust / es wird der erden kloß /
Der überweißte koth / dem himmel vorgesetzet /
Und ist ihr auge mehr als Venus selbst geschätzet,
So wundre ich mich nicht / daß man das weib veracht /
Weil sie die erste pein zu erst hat aufgebracht.
Sein essen ist ein kuß / sein tranck sind heisse thränen /
Die zeit verjaget er mit seuffzen und mit stehnen.
Und wann ihm etwan träumt / wie er die liebste find /
So hat er nichts als luft / und küsset nichts als wind.
Denn träume / buler / wind sind gleiches thuns gesellen;
Sein schlafen darf er nicht nach einem wecker stellen;
Indem die weckerin / so in dem hertzen steckt /
Ihn besser als er wünscht aus seinem schlaff erweckt /
Und seinen schmertzen rührt. Zu dornen wird das bette /
Mit denen wachet er im lager in die wette /
Und führt der thränen strom um seine wangen her /
Bald will er aus der welt / bald will er über meer /
Und muß doch wie zuvor in seinem hause bleiben /
Muß lernen / wie sein rath nicht stetig wil bekleiben /
Wie erstlich bulerey und die gewölckte nacht
Auf Anschlag / aber nicht auf Ausschlag ist bedacht:
So läst er ohne ruh sich fremde sachen lencken /
Läst in gesunder haut sich seine schwachheit kräncken /
Liebt nacht und finsterniß bey sonne und bey licht;
Ist wie ein schweres schiff / dem der compas gebricht.
Und daß ich nicht zu viel von einer sache sage /
Die allen ist bekandt als allgemeine plage /
So muß der vorhang weg: das mahlwerck ist vollbracht /
Hier hat der mahler selbst sein ebenbild gemacht.

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