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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Gedichte - Kapitel 23
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorChristian Hofmann von Hofmannswaldau
year1994
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3150088895
titleGedichte
sendergerd.bouillon@t-online.de
correctorreuters@abc.de
modified20160907
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ICh bin verletzt durch deinen augen-strahl

    ICh bin verletzt durch deinen augen-strahl /
Der seinen blitz in meine brust getrieben /
    Soll / Lesbia / du ursprung dieser qval /
Vergehen nicht mein hertze gantz im lieben;
    So halte doch nur einen Augenblick
                              Den strahl zurück.

    Wen brennt die nacht der liebes-flamme nicht /
Als die zur glut dem menschen ist erkohren?
    Ein gantzes meer lescht nicht ihr schönes licht /
In dessen abgrund Venus ward gebohren /
    In wellen schwamm diß schöne ungeheur /
                              Und bleibt ein feur.

    Mein hertz besteht aus wachs und nicht aus eiß /
Ich fühl und seh / wie deine augen blitzen:
    Zweyfache glut ist sterblichen zu heiß /
Was wunder / wenn zwo sonnen mich erhitzen /
    Die gar der himmel seltner schönheit preist /
                              Und brennen heist.

    Nicht dencke / daß es blosse worte seyn /
Welch hertz kan wohl bey deiner glut erkalten?
    Du weist / ich bin kein engel und kein stein /
Ich muß des blutes regung lassen walten /
    Die GOtt dem menschen schon im paradieß
                              Ins hertze bließ.

    Drum zürne nicht ob diesem meinem brand /
Der sich aus deiner augen glut entsponnen /
    Es ist / mein kind / ein werck von deiner hand /
Ach! dencke nach und straffe deine sonnen /
    Aus welchen dieses feur / so in mir glimmt /
                              Den ursprung nimmt.

    So liebe dann was deine krafft versehrt /
Mein niedrig seyn kan deinen ruhm nicht tilgen /
    Die sonne bleibet doch in gleichem werth /
Mahlt gleich ihr gold ein kleeblat nebst den lilgen /
    Laß mich bey deinem warmen sonnenschein
                              Ein kleeblat seyn.

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