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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Gedichte - Kapitel 21
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorChristian Hofmann von Hofmannswaldau
year1994
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3150088895
titleGedichte
sendergerd.bouillon@t-online.de
correctorreuters@abc.de
modified20160907
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ICh singe tauben ohren

ICh singe tauben ohren /
    Dein schönes antlitz kennt mich nicht /
Hab ich der freundschafft süsses licht /
Mein bestes kleinod gantz verlohren?
    Wird denn mein tag zu düstrer nacht?
Soll ich mich lebendig begraben?
    Und deiner augen schöne pracht /
So vormahls sonne war / itzt zu cometen haben?

Was sind es doch für sünden /
    Davor ich peinlich büssen muß /
Und aller schmertzen überfluß /
Als übelthäter / itzt empfinden?
    Doch laß der übelthäter recht
Mich / eh' ich sterbe / nur geniessen!
    Und mache / daß dein armer knecht /
Was er verbrochen hat / mag vor dem tode wissen.

Vor was hab ich zu büssen?
    Vor göttin hab ich dich erkennt /
Mein hertz als weyrauch dir gebrennt /
Und mich gelegt zu deinen füssen.
    Strafft mich der himmel oder du?
Dir hab ich mich in mir verzehret;
    Der himmel stürmet auff mich zu /
Dieweil ich dir zu viel / und ihm fast nichts gewähret.

Ach zürne nicht / Melinde /
    So mir diß freche wort entfährt!
Ein sünder ist erbarmens werth.
Du fühlest nicht / was ich empfinde!
    Nicht lache / wenn dein sclave fällt /
Du weist / verwirret seyn / und lieben
    Hat allbereit die erste welt
Mit schrifft / die nicht verlescht / zusammen eingeschrieben.

Doch wilt du göttin heissen /
    Zu der dich deine tugend macht?
So must du auch bey solcher pracht
Dich der erbarmung stets befleissen.
    Reiß deinen kalten vorsatz ein /
Nicht mache meine noth zum schertze /
    Die hölle lehret grausam seyn /
Der himmel / dem du gleichst / verträgt kein steinern hertze.

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