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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Gedichte - Kapitel 2
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorChristian Hofmann von Hofmannswaldau
year1994
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3150088895
titleGedichte
sendergerd.bouillon@t-online.de
correctorreuters@abc.de
modified20160907
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ISt denn dein hertze gar erfroren?

ISt denn dein hertze gar erfroren?
Bist du aus schnee und eiß gebohren?
    Hörst du mein seuffzen nicht /
    Und was mein unmuth spricht?
Soll ich dich göttin nennen?
    So nimm des Himmels wehmuth an
    Der leichtlich sich erbarmen kan /
Und uns nicht ewig läst in hoffnungs-flamen brennen.

Des blutes regung zu vermeiden /
Und gantz von fleisch und blut zu scheiden
    Ist nirgends ein gebot /
    Es heissets auch nicht GOtt;
Sich selber zu verlassen
    Ist eine flucht / so sträfflich ist
    Und wer ihm solche bahn erkiest
Den muß die menschlichkeit als einen unmensch hassen.

Du kanst ja deiner nicht geniessen /
Kein mund weiß selber sich zu küssen
    Der schnee auf deiner brust
    Bringt dir geringe lust.
Die fleischichten Granaten
    Seynd nicht allein vor dich erdacht
    Kein mensch ist vor sich selbst gemacht;
Es weiß der klügste geist ihm hier nicht recht zu rathen.

Die rose suchet ihr verderben /
Die auff dem stocke wünscht zu sterben
    Und nur ihr gantz allein
    Meynt angetraut zu seyn.
Wilst du dich selbst begraben?
    Wer sich in sich umsonst verzehrt
    Ist warlich seiner selbst nicht werth
Und muß der thorheit schuld an seiner grabstatt haben.

Bezwinge weißlich dein gemüthe
Und folge zeitlich dem geblüte
    Darein im paradieß
    GOtt selber funcken bließ;
Wer kan ihm widerstreben?
    Schau ich dein helles antlitz an
    So fühl ich was der himmel kan
Und wünsch auf deiner brust verparadiest zu leben.

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