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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Gedichte - Kapitel 18
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorChristian Hofmann von Hofmannswaldau
year1994
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3150088895
titleGedichte
sendergerd.bouillon@t-online.de
correctorreuters@abc.de
modified20160907
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ES will die ungerathne zeit

ES will die ungerathne zeit /
Daß ich zwey Lippen soll verlassen
        Da tugend / lieb und freundlichkeit /
Als treue schwestern sich umfassen /
        Wo schöne rosen stehn /
        Die auch im winter nicht vergehn.

        Ich kan fast nicht von deiner hand
Den schwachen arm zurücke ziehen /
        Ich fühle wie ein strenges band
Sich mich zu fesseln will bemühen /
        Die ohren klingen mir:
        Getreuer Damon bleibe hier.

        Ich kenne meine fehler wohl /
Ich muß die schuldigkeit vermeiden /
        Ich weiß daß ich dir folgen soll /
Doch mein verhängniß heist mich scheiden /
        Mit einer solchen schuld
        Hat auch die ungedult gedult.

        Mein geist ist dir genug bekandt /
Du weist ja meine treue sinnen /
        Hätt ich dich auff das grüne land /
Wie ich gewünscht / begleiten können /
        So sagt ich gar gewiß:
        Es ist dein feld mein paradieß.

        Doch ist gleich hand und fuß nicht frey /
So weiß mein geist kein band zu nennen /
        Er reist der zeiten garn entzwey /
Und wünscht dir freudig nachzurennen;
        Mein geist wird dir allein
        Viel näher als der schatten seyn.

        Der gipffel / so sich itzt bewegt /
Das rauschen / so dein ohr verspüret /
        Wird durch der seuffzer trieb erregt /
Die meine matte zunge führet /
        Ich weiß / daß iedes blat
        Mit meiner noth erbarmniß hat.

        Doch schwebt erbarmniß auch um dich /
So brich nicht gäntzlich mein gelücke /
        Und denck in meiner noth auff mich;
Gib mir ein halbes wort zurücke /
        Ein wort so mir beliebt /
        Und wieder neue kräffte giebt.

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