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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Gedichte - Kapitel 11
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorChristian Hofmann von Hofmannswaldau
year1994
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3150088895
titleGedichte
sendergerd.bouillon@t-online.de
correctorreuters@abc.de
modified20160907
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Streit der schwartzen augen /
rothen lippen / und weissen brüste.

Schwartze augen.

WIr schwartzen wolcken wir / mit sonnen angefüllet /
    Wir schönes finsterniß / da Venus wache hält;
Wir duncklen brunnen wir / da blitz und feuer qvillet /
    Wir sind besiegerin der freyheit dieser welt.
Das eiß zerschmeltzt für uns / das eisen muß uns weichen /
    Die felsen geben nach / es bricht der diamant;
Den purpur heissen wir durch unsre macht erbleichen /
    Und manches hertz zerfleußt durch diesen süssen brand.

Rothe lippen.

Ihr augen thut gemach / kan euer blitz entzünden /
    So denckt / daß auch der mund voll glut und feuer steckt;
Das rothe / was sich will in diesen lippen finden /
    Ist brand von reiner art mit rosen überdeckt.
Der athem / so itzund aus diesem thale fähret /
    Laufft jagens halber aus / und rennet durch die welt.
Ich schwere / daß er nicht von dar zurücke kehret /
    Biß daß er einen geist hat in das garn gefällt.

Weisse brüste.

Wenn alles reden will / wie können wir denn schweigen?
    Es will zwar nicht der schnee von unsern hügeln gehn;
Doch wollen flammen sich auch auff den spitzen zeigen /
    Die rüstig tag und nacht in vollem brande stehn.
Wer einen leichten blick in diesen circkel schicket /
    Der wird alsbald bestrickt durch süsse zauberey /
Das netze / so mit lust den leichten geist bestricket /
    Reist keine helden-hand und harter stahl entzwey.

Schwartze augen.

Rühmt / schwestern / was ihr wolt / den ruhm von unsern flammen
    Hat keine zeit verletzt kein winter abgethan;
Hier steht die liebligkeit und auch die krafft beysammen /
    Und dencken auff ein band / das hertzen fangen kan.
Die schlüssel hengen hier zu tausend männer hertzen /
    Die liebe hat bey uns das zeughaus ihrer macht;
Cupido holet hier das feuer zu den kertzen;
    Ja / lieben haben wir auff diese welt gebracht.

Rothe lippen.

Ein wohlgeschärffter spruch von unserm rothen throne,
    Thut und verrichtet mehr / als euer stoltzes licht;
Was seyd ihr bey der nacht? Ich red es euch zu hohne /
    Wann nicht die sonne scheint / so sieht das auge nicht.
Wir aber herrschen auch / wenn Phöbus von uns weichet /
    Ja / wenn ihr sternen-heer von wolcken wird bedeckt /
So hat manch kluges wort / so durch die rosen streichet /
    Die löwen eingeschläfft und harte stein erweckt.

Weisse brüste.

Wenn unsre kugeln nicht mit süssem triebe schertzen /
    Und dieser weisse schild der männer freyheit legt /
So stellt die Venus ja vergebens auff die hertzen /
    Und selten wird ein brand ohn unsre krafft erregt.
Das beben / so man stets um unsre grentzen spüret /
    Bläßt tausend flammen auff / und leget feuer an /
Ja dieses / was bey uns verborgen wird geführet /
    Hat offtmahls mehr / als das / was sich gezeigt / gethan.

Schwartze augen.

Wenn keine brust sich zeigt / wenn lippen schweigen müssen /
    So reden wir alsdenn durch unsern klaren schein /
Wir fügen offtermahls durch einen blick zu wissen /
    Daß adern / blut und marck voll glut und flammen seyn.
Lust / hoffnung / liebe / zorn / kan ieder in uns lesen /
    Wir reden ohne wort / und sprechen ohne mund;
Diß / was noch kommen soll / und allezeit gewesen /
    Diß macht das augen-lied durch kluge blicke kund.

Rothe lippen.

Der reinen lieblichkeit / so unser blut durchstreichet /
    Vergleichet sich der tranck der götter selber nicht;
Die rosen / derer glantz kein purpur hat erreichet /
    Sind als ein meister-stück im himmel zugericht.
Der wunder-starcke safft / der süsse thau der seelen /
    So um rubinen fleußt / und hier auff perlen steht /
Gibt deutlich zu verstehn / daß in der augen hölen
    Die reitzung öffters schläfft / hier niemahls untergeht.

Weisse brüste.

Was euer strahl bezwingt / was eure wort verrichten /
    Ist uns genug bekandt / ist uns genug bewust.
Doch lassen wir uns auch nicht gantz und gar vernichten /
    Wir sind / bedenckt es wohl / der garten aller lust.
Die äpffel / so allhier auff diesem stocke schweben /
    Sind süsser noch als die / so Abels mutter aß;
Ja besser / weil sie nicht verletzen an dem leben /
    Und keine schlange nicht auff ihren blättern saß.

Schwartze augen.

Je kleiner unser reich / je grösser unsre stärcke /
    Wir schrecken manche brust / und stopffen manchen mund;
Die federn werden stumpff in rühmung unsrer wercke /
    Und manch verbrochnes wort thut unsre kräffte kund.
Das hertze klopfft für uns / die glieder lernen zittern /
    Und wer diß wahre wort für nichts und nichtig hält /
Denselben soll der strahl von unserm blitz erschüttern /
    Zum zeugniß unsrer macht / zur warnung dieser welt.

Rothe lippen.

Die seelen pflegen hier zusammenkunfft zu haben /
    Und speisen sich mit lust durch süssen honigseim:
Hier pflantzet die natur den reichthum ihrer gaben /
    Und Venus kocht allhier den allerbesten leim.
Ein tropffen recht gebraucht / leimt geist und geist zusammen;
    Thut nun der leim zu schlecht des mundes kräffte kund /
Und zeiget nicht genung die funcken meiner flammen /
    So küsse man alsbald doch einen schönen mund.

Weisse brüste.

Diß / was ihr itzt gerühmt das findt ihr hier begraben;
    Des himmels rundes bild der rosen lieblichkeit /
Des frühlings bunte lust / des sommers süsse gaben /
    Die sind mit reicher hand hier kräfftig eingestreut.
Der brand-befreyte schnee kan felsen selbst entzünden /
    Und unsre blumen tilgt kein heisser sonnenschein;
Cupido wird sich uns zu loben unterwinden /
    Die feder wird sein pfeil / wir werden blätter seyn.

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