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Friedrich Schiller: Gedichte - Kapitel 88
Quellenangabe
typepoem
titleGedichte
authorFriedrich Schiller
year1879
publisherJ. G. Cotta'sche Buchhandlung
addressStuttgart
sendergerd.bouillon@t-online.de
correctorreuters@abc.de
modified20160907
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Thekla.

Eine Geisterstimme.

    Wo ich sei und wo mich hingewendet,
Als mein flücht'ger Schatten dir entschwebt?
Hab' ich nicht beschlossen und geendet,
Hab' ich nicht geliebet und gelebt?

    Willst du nach den Nachtigallen fragen,
Die mit seelenvoller Melodie
Dich entzückten in des Lenzes Tagen?
Nur, so lang sie liebten, waren sie.

    Ob ich den Verlorenen gefunden?
Glaube mir, ich bin mit ihm vereint,
Wo sich nicht mehr trennt, was sich verbunden,
Dort, wo keine Thräne wird geweint.

    Dorten wirst auch du uns wieder finden,
Wenn dein Lieben unserm Lieben gleicht;
Dort ist auch der Vater frei von Sünden,
Den der blut'ge Mord nicht mehr erreicht.

    Und er fühlt, daß ihn kein Wahn betrogen,
Als er aufwärts zu den Sternen sah;
Denn, wie Jeder wägt, wird ihm gewogen;
Wer es glaubt, dem ist das Heil'ge nah.

    Wort gehalten wird in jenen Räumen
Jedem schönen, gläubigen Gefühl;
Wage du, zu irren und zu träumen,
Hoher Sinn liegt oft in kind'schem Spiel.

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