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Friedrich Schiller: Gedichte - Kapitel 63
Quellenangabe
typepoem
titleGedichte
authorFriedrich Schiller
year1879
publisherJ. G. Cotta'sche Buchhandlung
addressStuttgart
sendergerd.bouillon@t-online.de
correctorreuters@abc.de
modified20160907
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Ritter Toggenburg.

»Ritter, treue Schwesterliebe
    »Widmet Euch dies Herz;
»Fordert keine andre Liebe,
    »Denn es macht mir Schmerz.
»Ruhig mag ich Euch erscheinen,
    »Ruhig mag ich sehn;
»Eurer Augen stilles Weinen
    »Kann ich nicht verstehn.«

Und er hört's mit stummem Harme,
    Reißt sich blutend los,
Preßt sie heftig in die Arme
    Schwingt sich auf sein Roß,
Schickt zu seinen Mannen allen
    In dem Lande Schweiz;
Nach dem heil'gen Grab zu wallen,
    Auf der Brust das Kreuz.

Große Thaten dort geschehen
    Durch der Helden Arm;
Ihres Helmes Büsche wehen
    In der Feinde Schwarm;
Und des Toggenburgers Name
    Schreckt den Muselmann;
Doch das Herz von seinem Grame
    Nicht genesen kann.

Und ein Jahr hat er's getragen,
    Trägt's nicht länger mehr;
Ruhe kann er nicht erjagen
    Und verläßt das Heer;
Sieht ein Schiff an Joppe's Strande,
    Das die Segel bläht,
Schiffet heim zum theuren Lande,
    Wo ihr Athem weht.

Und an ihres Schlosses Pforte
    Klopft der Pilger an;
Ach, und mit dem Donnerworte
    Wird ihm aufgethan:
»Die Ihr suchet, trägt den Schleier,
    »Ist des Himmels Braut,
»Gestern war des Tages Feier,
    »Der sie Gott getraut.«

Da verlässet er auf immer
    Seiner Väter Schloß,
Seine Waffen sieht er nimmer,
    Noch sein treues Roß;
Von der Toggenburg hernieder
    Steigt er unbekannt,
Denn es deckt die edeln Glieder
    Härenes Gewand.

Und erbaut sich eine Hütte
    Jener Gegend nah,
Wo das Kloster aus der Mitte
    Düstrer Linden sah;
Harrend von des Morgens Lichte
    Bis zu Abends Schein,
Stille Hoffnung im Gesichte,
    Saß er da allein.

Blickte nach dem Kloster drüben,
    Blickte stundenlang
Nach dem Fenster seiner Lieben,
    Bis das Fenster klang,
Bis die Liebliche sich zeiget,
    Bis das theure Bild
Sich ins Thal herunter neigte,
    Ruhig, engelmild.

Und dann legt' er froh sich nieder,
    Schlief getröstet ein,
Still sich freuend, wenn es wieder
    Morgen würde sein.
Und so saß er viele Tage,
    Saß viel Jahre lang,
Harrend ohne Schmerz und Klage,
    Bis das Fenster klang,

Bis die Liebliche sich zeigte,
    Bis das theure Bild
Sich ins Thal herunter neigte,
    Ruhig, engelmild.
Und so saß er, eine Leiche,
    Eines Morgens da;
Nach dem Fenster noch das bleiche
    Stille Antlitz sah.

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