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Friedrich Schiller: Gedichte - Kapitel 135
Quellenangabe
typepoem
titleGedichte
authorFriedrich Schiller
year1879
publisherJ. G. Cotta'sche Buchhandlung
addressStuttgart
sendergerd.bouillon@t-online.de
correctorreuters@abc.de
modified20160907
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Die Flüsse.

Rhein.

Treu, wie dem Schweizer gebührt, bewach' ich Germaniens Grenze;
    Aber der Gallier hüpft über den duldenden Strom.

Rhein und Mosel.

Schon so lang' umarm' ich die lotharingische Jungfrau;
    Aber noch hat kein Sohn unsre Verbindung beglückt.

Donau in **.

Mich umwohnt mit glänzendem Aug das Volk der Phajaken;
    Immer ist's Sonntag, es dreht immer am Herd sich der Spieß.

Main.

Meine Burgen zerfallen zwar, doch getröstet erblick' ich
    Seit Jahrhunderten noch immer das alte Geschlecht.

Saale.

Kurz ist mein Lauf und begrüßt der Fürsten, der Völker so viele;
    Aber die Fürsten sind gut, aber die Völker sind frei.

Ilm.

Meine Ufer sind arm, doch höret die leisere Welle,
    Führet der Strom sie vorbei, manches unsterbliche Lied.

Pleisse.

Flach ist mein Ufer und seicht mein Bach, es schöpften zu durstig
    Meine Poeten mich, meine Prosaiker aus.

Elbe.

All ihr andern, ihr sprecht nur ein Kauderwelsch – unter den Flüssen
    Deutschlands rede nur ich, und auch in Meißen nur, deutsch.

Spree.

Sprache gab mir einst Ramler und Stoff mein Cäsar; da nahm ich
    Meinen Mund etwas voll, aber ich schweige seitdem.

Weser.

Leider von mir ist gar nichts zu sagen; auch zu dem kleinsten
    Epigramme, bedenkt, geb' ich der Muse nicht Stoff.

Gesundbrunnen zu **.

Seltsames Land! Hier haben die Flüsse Geschmack und die Quellen,
    Bei den Bewohnern allein hab' ich noch keinen verspürt.

Pegnitz.

Ganz hypochondrisch bin ich vor langer Weile geworden,
    Und ich fließe nur fort, weil es so hergebracht ist.

Die **chen Flüsse.

Unser einer hat's halter gut in **cher Herren
    Ländern; ihr Joch ist sanft, und ihre Lasten sind leicht.

Salzach.

Aus Juvaviens Bergen ström' ich, das Erzstift zu salzen,
    Lenke dann Bayern zu, wo es an Salze gebricht.

Der anonyme Fluß.

Fastenspeisen dem Tisch des frommen Bischofs zu liefern,
    Goß der Schöpfer mich aus durch das verhungerte Land.

Les fleuves indiscrets.

Jetzt kein Wort mehr, ihr Flüsse! Man sieht's, ihr wißt euch so wenig
    Zu bescheiden, als einst Diderots Schätzchen gethan.

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