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Friedrich Schiller: Gedichte - Kapitel 131
Quellenangabe
typepoem
titleGedichte
authorFriedrich Schiller
year1879
publisherJ. G. Cotta'sche Buchhandlung
addressStuttgart
sendergerd.bouillon@t-online.de
correctorreuters@abc.de
modified20160907
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Die Philosophen.

Lehrling

Gut, daß ich euch, ihr Herrn, in pleno beisammen hier finde;
    Denn das Eine, was noth, treibt mich herunter zu euch.

Aristoteles

Gleich zur Sache, mein Freund! Wir halten die Jenaer Zeitung
    Hier in der Hölle und sind längst schon von Allem belehrt.

Lehrling

Desto besser! so gebt mir, ich geh' euch nicht eher vom Halse,
    Einen allgültigen Satz, und der auch allgemein gilt.

Erster

Cogito, ergo sum. Ich denke, und mithin so bin ich!
    Ist das Eine nur wahr, ist es das Andre gewiß.

Lehrling

Denk' ich, so bin ich. Wohl! Doch wer wird immer auch denken,
    Oft schon war ich, und hab' wirklich an gar nichts gedacht.

Zweiter

Weil es Dinge doch gibt, so gibt es ein Ding aller Dinge;
    In dem Ding aller Ding' schwimmen wir, wie wir so sind.

Dritter

Just das Gegentheil sprech' ich. Es gibt kein Ding als mich selber;
    Alles Andre, in mir steigt es als Blase nur auf.

Vierter

Zweierlei Dinge lass' ich passiren, die Welt und die Seele;
    Keins weiß vom andern, und doch deuten sie beide auf eins.

Fünfter

Von dem Ding weiß ich nichts und weiß auch nichts von der Seele;
    Beide erscheinen mir nur, aber sie sind doch kein Schein.

Sechster

Ich bin Ich und setze mich selbst, und setz' ich mich selber
    Als nicht gesetzt, nun gut, hab' ich ein Nicht-Ich gesetzt.

Siebenter

Vorstellung wenigstens ist! Ein Vorgestelltes ist also;
    Ein Vorstellendes auch, macht mit der Vorstellung Drei

Lehrling

Damit lock' ich, ihr Herrn, noch keinen Hund aus dem Ofen.
    Einen erklecklichen Satz will ich, und der auch was setzt!

Achter

Auf theoretischem Feld ist weiter nichts mehr zu finden;
    Aber der praktische Satz gilt doch: du kannst, denn du sollst!

Lehrling

Dacht' ich's doch! Wissen sie nichts Vernünftiges mehr zu erwiedern,
    Schieben sie's einem geschwind in das Gewissen hinein.

David Hume

Rede nicht mit dem Volk! Der Kant hat sie alle verwirret.
    Mich frag', ich bin mir selbst auch in der Hölle noch gleich.

Rechtsfrage

Jahre lang schon bedien' ich mich meiner Nase zum Riechen;
    Hab' ich denn wirklich an sie auch ein erweisliches Recht?

Puffendorf

Ein bedenklicher Fall! Doch die erste Possession scheint
    Für dich zu sprechen, und so brauche sie immerhin fort!

Gewissensscrupel

Gerne dien' ich den Freunden, doch thu' ich es leider mit Neigung,
    Und so wurmt es mir oft, daß ich nicht tugendhaft bin.

Entscheidung

Da ist kein anderer Rath, du mußt suchen, sie zu verachten,
    Und mit Abscheu alsdann thun, wie die Pflicht dir gebeut.

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