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Friedrich Schiller: Gedichte - Kapitel 121
Quellenangabe
typepoem
titleGedichte
authorFriedrich Schiller
year1879
publisherJ. G. Cotta'sche Buchhandlung
addressStuttgart
sendergerd.bouillon@t-online.de
correctorreuters@abc.de
modified20160907
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Distichen III

Das Naturgesetz.

So war's immer, mein Freund, und so wird's bleiben: die Ohnmacht
    Hat die Regel für sich, aber die Kraft den Erfolg.

Die schwere Verbindung.

Warum will sich Geschmack und Genie so selten vereinen?
    Jener fürchtet die Kraft, dieses verachtet den Zaum.

An den Dichter.

Laß die Sprache dir sein, was der Körper den Liebenden. Er nur
    Ist's, der die Wesen trennt und die Wesen vereint.

Dilettant.

Weil ein Vers dir gelingt in einer gebildeten Sprache,
    Die für dich dichtet und denkt, glaubst du schon Dichter zu sein?

Der Gürtel.

In dem Gürtel bewahrt Aphrodite der Reize Geheimniß:
    Was ihr den Zauber verleiht, ist, was sie bindet, die Scham.

Die Kunstschwätzer.

Gutes in Künsten verlangt ihr! Seid ihr denn würdig des Guten,
    Das nur der ewige Krieg gegen sich selbst erzeugt?

Der Meister.

Jeden anderen Meister erkennt man an dem, was er ausspricht;
    Was er weise verschweigt, zeigt mir den Meister des Styls.

Die Philosophieen.

Welche wohl bleibt von allen den Philosophieen? Ich weiß nicht.
    Aber die Philosophie, hoff' ich, soll ewig bestehn.

Sprache.

Warum kann der lebendige Geist dem Geist nicht erscheinen?
    Spricht die Seele, so spricht, ach! schon die Seele nicht mehr.

Tonkunst.

Leben athme die bildende Kunst, Geist fordr' ich vom Dichter;
    Aber die Seele spricht nur Polyhymnia aus.

Wahl.

Kannst du nicht allen gefallen durch deine That und dein Kunstwerk,
    Mach' es Wenigen recht; Vielen gefallen, ist schlimm.

Das Ehrwürdige.

Ehret mir immer das Ganze; ich kann nur Einzelne achten:
    Immer in Einzelnen nur hab' ich das Ganze erblickt.

Der Genius mir der umgekehrten Fackel.

Lieblich sieht er zwar aus mit seiner erloschenen Fackel;
    Aber, ihr Herren, der Tod ist so ästhetisch doch nicht.

An die Gesetzgeber.

Setzet immer voraus, daß der Mensch im Ganzen das Rechte
    Will; im Einzelnen nur rechnet mir niemals darauf.

Der Homeruskopf als Siegel.

Treuer alter Homer, dir vertrau' ich das zarte Geheimniß;
    Um der Liebenden Glück wisse der Sänger allein.

Die Gunst der Musen.

Mit dem Philister stirbt auch sein Ruhm. Du, himmlische Muse,
    Trägst, die dich lieben, die du liebst, in Mnemosynens Schooß.

Der Naturkreis.

Alles, du Ruhige, schließt sich in deinem Reiche: so kehret
    Auch zum Kinde der Greis kindisch und kindlich zurück.

Falscher Studirtrieb.

O, viel neue Feinde der Wahrheit! Mir blutet die Seele,
    Seh' ich das Eulengeschlecht, das zu dem Lichte sich drängt.

Die beste Staatsverfassung.

Diese nur kann ich dafür erkennen, die Jedem erleichtert,
    Gut zu denken, doch nie, daß er so denke, bedarf.

Quelle der Verjüngung.

Glaubt mir, es ist kein Märchen, die Quelle der Jugend, sie rinnet
    Wirklich und immer. Ihr fragt, wo? In der dichtenden Kunst.

Forum des Weibes.

Frauen, richtet mir nie des Mannes einzelne Thaten;
    Aber über den Mann sprechet das richtende Wort!

Der Skrupel.

Was vor züchtigen Ohren dir laut zu sagen erlaubt sei?
    Was ein züchtiges Herz leise zu thun dir erlaubt.

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