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Friedrich Schiller: Gedichte - Kapitel 110
Quellenangabe
typepoem
titleGedichte
authorFriedrich Schiller
year1879
publisherJ. G. Cotta'sche Buchhandlung
addressStuttgart
sendergerd.bouillon@t-online.de
correctorreuters@abc.de
modified20160907
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Distichen I

Das Kind in der Wiege.

Glücklicher Säugling! dir ist ein unendlicher Raum noch die Wiege.
    Werde Mann, und dir wird eng die unendliche Welt.

Das Unwandelbare.

»Unaufhaltsam enteilet die Zeit.« – Sie sucht das Beständ'ge.
    Sei getreu, und du legst ewige Fesseln ihr an.

Das Belebende.

Nur an des Lebens Gipfel, der Blume, zündet sich Neues
    In der organischen Welt, in der empfindenden an.

Das Höchste.

Suchst du das Höchste, das Größte? Die Pflanze kann es dich lehren.
    Was sie willenlos ist, sei du es wollend – das ist's!

Unterschied der Stände.

Adel ist auch in der sittlichen Welt. Gemeine Naturen
    Zahlen mit Dem, was sie thun, edle mit Dem, was sie sind.

Theophanie.

Zeigt sich der Glückliche mir, ich vergesse die Götter des Himmels;
    Aber sie steht vor mir, wenn ich den Leidenden seh'.

Unsterblichkeit.

Vor dem Tod erschrickst du! Du wünschest, unsterblich zu leben?
    Leb' im Ganzen! Wenn du lange dahin bist, es bleibt.

Votivtafeln.

Was der Gott mich gelehrt, was mir durchs Leben geholfen,
    Häng' ich, dankbar und fromm, hier in dem Heiligthum auf.

Zweierlei Wirkungsarten.

Wirke Gutes, du nährst der Menschheit göttliche Pflanze;
    Bilde Schönes, du streust Keime der göttlichen aus.

An *

Theile mir mit, was du weißt; ich werd' es dankbar empfangen.
    Aber du gibst mir dich selbst; damit verschone mich, Freund!

An **

Du willst Wahres mich lehren? Bemühe dich nicht! Nicht die Sache
    Will ich durch dich, ich will dich durch die Sache nur sehn.

An ***

Dich erwähl' ich zum Lehrer, zum Freund. Dein lebendiges Bilden
    Lehrt mich, dein lehrendes Wort rühret lebendig mein Herz.

An die Muse.

Was ich ohne dich wäre, ich weiß es nicht – aber mir grauet,
    Seh ich, was ohne dich Hundert' und Tausende sind.

Der gelehrte Arbeiter.

Nimmer labt ihn des Baumes Frucht, den er mühsam erziehet;
    Nur der Geschmack genießt, was die Gelehrsamkeit pflanzt.

Jetzige Generation.

War es immer wie jetzt? Ich kann das Geschlecht nicht begreifen.
    Nur das Alter ist jung, ach! und die Jugend ist alt.

Mittheilung.

Aus der schlechtesten Hand kann Wahrheit mächtig noch wirken;
    Bei dem Schönen allein macht das Gefäß den Gehalt.

Die moralische Kraft.

Kannst du nicht schön empfinden, dir bleibt doch, vernünftig zu wollen
    Und als ein Geist zu thun, was du als Mensch nicht vermagst.

Das Werthe und das Würdige.

Hast du etwas, so theile mir's mit, und ich zahle, was recht ist;
    Bist du etwas, o dann tauschen die Seelen wir aus.

Aufgabe.

Keiner sei gleich dem Andern, doch gleich sei Jeder dem Höchsten!
    Wie das zu machen? Es sei Jeder vollendet in sich.

Der Aufpasser.

Strenge, wie mein Gewissen, bemerkst du, wo ich gefehlet:
    Darum hab' ich dich stets, wie – mein Gewissen, geliebt.

Das eigne Ideal.

Allen gehört, was du denkst; dein eigen ist nur, was du fühlest.
    Soll er dein Eigenthum sein, fühle den Gott, den du denkst.

An die Mystiker.

Das ist eben das wahre Geheimniß, das Allen vor Augen
    Liegt, euch ewig umgibt, aber von Keinem gesehn.

Pflicht für Jeden.

Immer strebe zum Ganzen, und kannst du selber kein Ganzes
    Werden, als dienende Glied schließ an ein Ganzes dich an!

Der Schlüssel.

Willst du dich selber erkennen, so sieh, wie die Andern es treiben.
    Willst du die Andern verstehn, blick' in dein eigenes Herz.

Astronomische Schriften.

So unermeßlich ist, so unendlich erhaben der Himmel!
    Aber der Kleinigkeitsgeist zog auch den Himmel herab.

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