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Gedichte

Felix Dahn: Gedichte - Kapitel 92
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorFelix (und Therese) Dahn
year1892
publisherBreitkopf & Haertel
addressLeipzig
titleGedichte
pagesIII-XII
created20050922
sendergerd.bouillon
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Trinkspruch.

(Bei dem Fest zu Ehren der Münchener Schauspieler vom Volkstheater zu München.)

                    Wohl schon oft sind hierher in dies Thule-Land
    Aus dem Süden uns Gäste gezogen:
Zwei herrlich singende Vögel zumal,
    Zwei bairische, kamen geflogen.
Und doch niemals sind noch willkomm'nere mir
    Und erwünschtere Gäste gekommen,
Als die treffliche Schar, aus der ich den Klang
    Bajuwarischer Rede vernommen.
Denn gehört auch dem Stat als dem Vater der Mann,
    Ist die Heimath, in der er geboren,
Doch die Mutter des Manns: und die Liebe zu ihr, –
    Nie geht sie dem Herzen verloren.
Und die Sprache der Heimath, – sie dringt uns tief
    Wie kein anderer Ton in's Gemüthe,
Und sie weckt darin die Erinnerung und
    Der Rührung duftigste Blüthe.
Doch mit Stolz hat zugleich der Gäste Besuch
    Uns die pochenden Herzen geweitet:
Denn auf Erden ein Unvergleichliches ist,
    Was dem staunenden Blick sie bereitet;
Wo lebt noch bei Andern ein Volk sich dar
    Wie die oberbairischen Bauern?
Frisch, fröhlich und schalkhaft, gesund und stolz
    Und stark wie die Felsen der Tauern!
Wo begleitet das Leben noch von der Geburt
    Bis ans Grab Poesie mit Verklärung,
Mit dem Schmuck des Symbols, mit dem sinnigen Brauch,
    Mit der Fülle der Formengewährung?
Kunstfreudiger Stamm, der das Volkslied stets
    In unzähligen »G'sangeln« erneuert,
Der im Ammergau, den Hellenen gleich,
    Von den Gluthen des Glaubens befeuert,
Wie ein Sakrament das Drama begeht:
    Der in tausend geschnitzelten Bildern
Weiß Himmel und Welt und Gethier und Gewächs
    Und sich selbst wie gespiegelt zu schildern.
Ja, es ist ein kunstbegnadeter Stamm!
    Zu Zeugen ruf' ich sie Beide:
Herrn Wolfram, ihn von dem Eschenbach,
    Und den Herrn von der Vogelweide!
Und wahr soll's bleiben für alle Zeit:
    Zu dem Baier fügt sich die Leier:
Denn die Bergwelt wecket die Phantasie,
    Wo sich's freudiger athmet und freier.
Doch erst durch die Kunst wird die Wahrheit schön:
    D'rum sollen die Künstler wir preisen,
Die ein solches Volk, so wahr, so schön,
    Mit vollendeter Kunst uns weisen;
Denn vollendeter sah ich in Scherz und in Ernst
    Nie dramatische Kunst noch entfaltet!
Was Ihr Wahrheit nennt, das ist höchste Kunst:
    Kunst hat die Natur hier gestaltet.
D'rum sollt ihr unsern begeisterten Dank
    An die Isar, die hastende, tragen!
Und seht Ihr Zugspitz' und Kampenwand,
    Sollt Ihr sie grüßen und sagen:
Daß fern in dem Osten der Preußenmark
    Auch feurige Herzen schlagen,
Die der Baiern Land und der Baiern Werth
    In dem treusten Gedenken tragen.
Ihr Andern aber, nun thuet Bescheid:
    Laßt froh uns die Becher erheben:
Der Baiern Stamm und der Baiern Kunst:
    Die Münchner, hoch sollen sie leben!
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