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Gedichte

Felix Dahn: Gedichte - Kapitel 73
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorFelix (und Therese) Dahn
year1892
publisherBreitkopf & Haertel
addressLeipzig
titleGedichte
pagesIII-XII
created20050922
sendergerd.bouillon
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An seinen Verfasser, Herrn Dr. Toeche-Mittler,

zum 4. Juli 1885

(seinem 25jährigen Buchhändler-Jubiläum)

der Kaiser Heinrich VI.:

                  Mein lieber Thodo, siehst Du's jetzt wohl ein?
Du wolltest immer der Gescheut're sein!
Was hattest Du vor fünfundzwanzig Jahren
Doch für ein unverständiges Gebahren!
Durchaus nicht wolltest Du, o junger Thor,
Thun, was Dein weiser Ahnherr that zuvor.
War wer zumind'st nicht Reichsministerial,
So war Dir seine Existenz – egal:
Nach Bischöfen, nach Aebten und nach Fürsten
Ging ganz ausschließlich Deiner Seele Dürsten:
Philipp von Cöln, Konrad von Hildesheim,
Tancred von Lecce war Dir Honigseim,
Und Dir erschien das höchste Glück auf Erden:
Historischer Privatdocent zu werden! –

Vergeblich riethen wackre Männer Dir;
(Einfällt da Felix Dahn zum Beispiel mir!)
Du schlugst, wie junge Leute nun mal sind,
Das Wort der weisen Meister in den Wind,
Bis daß zu Würzburg, in der»Harmonie«,
Dir Einsicht (bei Bouillon!) gemach gedieh.
Allmählich ward Dir klar: das Ideal
Ist nicht bedingt durch Bücher ohne Zahl,
Die man nur schreibt. – Viel mehr ist ein Verleger,
Der gut verlegt, der Geistentwicklung Träger.
Und übrigens – kann er's durchaus nicht lassen –:
Ein Kaufmann kann ja Bücher auch verfassen
Und kann durch Reisen, die er fleißig reist,
(Nicht blos nach Leipzig!) bilden so den Geist,
Daß Generalstabsmensch, Geheimerath,
Professor, Künstler bei ihm früh und spat
Gar gern verkehrt und spricht: »Wie fein gebildet
Ist dieser Mann, ob zünftig auch gegildet«.
»So werd' ich Kaufmann denn: die Hoffahrt rächt sich.«

Und was geschah im Jahre 67?
Nachdem Du sieben Jahre Kaufmann warst,
Geschah es, daß Du herrlich mich gebarst
Und Deinen Ruhm – wie meinen – thät'st verbreiten
Auf 746 Seiten!
Du schriebst das Buch den Kundigsten zu Danke:
Dich lobten Sybel, Giesebrecht und Ranke!

Auch später noch hast Du gezeigt der Welt:
Es macht nicht dumm, verdient man sehr viel Geld,
Und nicht Gott Mammon nur, nein, alle Musen
Trägst Du im gotterfüllten Thodo-Busen.
O hätte doch zu meiner Zeit gewaltet
Bei Bürgern solche Bildung, reich entfaltet!
Doch meine Pläne hat in deutschen Landen
Damals der Zehnte leider nicht verstanden.
O wär' ein Hofbuchhändler mein gewesen,
Wie Kaiser Wilhelm ihn sich hat erlesen!
Das fehlte mir! – Und dann noch: längeres Leben: –
Dann hätte Manches anders sich begeben!

Zum Schluß will ich Dir nur noch Eines sagen:
(Es bleibt ja zwischen uns, den Männern, nur)
Daß Du die Albedyll davon getragen,
Die feine, anmuthduftige Natur, –
Das ist das größte Glück in Deinem Leben:
Verdienen nicht, doch einsehn kann man's eben. –

Nun lebe wohl! Noch fünfundzwanzig Jahre
Sich »Soll und Haben's« Reiz Dir offenbare:
Dann ist's genug: dann ziehe die Bilanz
Und sonne Dich in wohlverdientem Glanz.
Und schreibe noch (er bat mich, Dich zu treiben:
Er meinte schon gar lang', Du würd'st ihn schreiben!)
Heinrich den siebenten, so schön wie mich!

    Womit Dich grüßt

Dein
sechster Heinerich.
Nachschrift:

Ich lese jetzt Dein Buch zum zwölften Mal.
's ist wirklich gut. – Nur eins ist mir fatal:
Du schreibst mir manchmal solche Pläne zu,
Daß ich mir sag': »Der Mann weiß mehr als du!«

 

    Fegefeuer, Kaiserecke (stark besetzt!)

An Jahrestag meiner Urkundung zu Lautern für das in
meinem Allod Kirchheim gelegene Marienkloster Hagene.

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