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Gedichte

Felix Dahn: Gedichte - Kapitel 72
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorFelix (und Therese) Dahn
year1892
publisherBreitkopf & Haertel
addressLeipzig
titleGedichte
pagesIII-XII
created20050922
sendergerd.bouillon
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An den Kronprinzen Friedrich Wilhelm bei seinem letzten Besuch in Königsberg.

        Du fragtest, gütig lächelnd, frohgelaunt:
»Die Masern ein Professor? Bin erstaunt!
Wie kann die Masern ein Professor kriegen?«
Die Antwort, Herr, sie sei Dir unverschwiegen:
Die Wahrheit nimm, wie stets, sie auf mit Huld:
An diesen Masern trägst nur Du die Schuld.

Mein Weib und ich, wir freuten uns schon lange
Und rüsteten gewaltig zum Empfange:
»Uns gegenüber, in dem Logenhaus,
Bereiten unserm Kronprinz sie den Schmaus!
Er tritt wohl gar heraus auf die Altane:
Da soll er schau'n die schönste deutsche Fahne!«
»Die besten sind am Haberberg zu kaufen.«
Und schleunig zu dem Haberberg wir laufen
Zwei Tage schon, bevor Du nahst: es liegt
Dort ein Gewölb', in's Eck geschmiegt:
Wir schritten in den Hof und in die Stuben,
Gott! wimmelt's da von Mädchen und von Buben!
Nun will ich Selke sein Verdienst nicht rauben:
Doch, weiser Fürst, nur Eins darfst Du nicht glauben:
Daß alle Tag' die Königsberger Kind'
So rein, wie Du sie sahst, gewaschen sind.
(O nein!! Dein öftres Kommen könnte nützen:
Neunhundert fünf und achtzig bunte Mützen
Zum Beispiel »faßten« neu allein die Schüler!)
Wir sah'n umher: es ward uns schwül und schwüler –
Die Luft war unerfreulich, wenig nett!
Im Nebenzimmer lag ein Kind zu Bett. – –
Wir wählten nun den schönsten Speeresschaft:
Das Schwarz-weiß-roth ward prüfend ausgestrafft:
Es hielt ganz stramm und zeigte keine Fasern.
So gingen, Arm in Arm, wir froh nach Haus
Und setzten uns vergnügt zum Abendschmaus:
Ich hatte meine Fahn' – und meine Masern! –
Zwei Tage drauf standst Du mit Deinem Sohne
Uns gegenüber auf dem Steinbalcone.
Mein lieber Verdy stand an Deiner Seiten –
Ich sah's genau und grüßte Dich – vom Weiten!
Denn röther war ich als der Fahne Roth
Vom Kopf zum Zeh. – Doch hat es keine Noth:
Ich bin bereit, für Dich und diese Fahne
Viel Schlimmres mir zu holen als die Masern:
Deutsch ist mein Herz in seinen tiefsten Fasern.
Das weißt Du längst: nicht brauch' ich's erst zu sagen,
Doch Antwort mußt' ich geben Deinem Fragen! –

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