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Gedichte

Felix Dahn: Gedichte - Kapitel 68
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorFelix (und Therese) Dahn
year1892
publisherBreitkopf & Haertel
addressLeipzig
titleGedichte
pagesIII-XII
created20050922
sendergerd.bouillon
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Scherze.

Zum fünfzigjährigen Professorenjubiläum des Lehrers der Kirchengeschichte Herrn Dr. Karl von Hase zu Jena

(15. Juli 1880)

            Du darfst es gar nicht übel nehmen,
Du mußt vielmehr Dich deß bequemen,
Daß man in Prosa und Gedicht
Am heut'gen Tage zu Dir spricht!

So kommt denn auch vom Ostseestrand
Ein schüchtern Verslein angerannt,
Verbeugt sich ziemend tief und spricht:

»Ich grüße Dich, Du Kirchenlicht!
Dein Name drang und Deine Schule
Bis in die nebelferne Thule:
Nicht blos, weil hier auch hüpfen Häslein
Mit lichtem Har, neugier'gem Näslein:
Nein: weil in aller deutschen Welt
Vom Alpenschnee bis an den Belt
Man Dich in höchsten Ehren hält. –

Ich nannte Dich ein Kirchenlicht:
Das kannst Du anders leugnen nicht!
Doch giebt es sehr verschied'ne Lichter:
Auch solche, welche gar nicht leuchten:
Vielmehr – (so will es mich bedeuchten: –
Doch was versteht davon ein Dichter!) –
Die Welt mit salbungvollem Munkeln
Nach bester Möglichkeit verdunkeln.

Du aber bist kein solcher nicht:
Du bist ein rechtes Leuchte-Licht!
Hast andre Lichter viel geweckt
Und Groß-Kophta's so arg erschreckt: –
Sie hätten gern Dich zugedeckt! –

Jedoch ein rechtes echtes Licht,
Das läßt sich gar verdecken nicht:
Dabei hat allzu kecke Hand
Die Finger sich schon oft verbrannt. –

Doch all' das, hochverehrtes Licht,
Ist mir Dein schönster Glanz noch nicht!
Vielmehr: daß Du von je ein Herz
Gehabt für deutschen Ruhm und – Schmerz.
Daß Du ob »kirchlicher Int'ressen«
Das Hauptint'resse nie vergessen:
Des deutschen Volkes Wohl und Weh!
(Denn: Andre . . . . . . ach, Herr Jemine!)
So triebst Du's schon beinah vom Knaben:
(Sie sperrten Dich drum ein in Schwaben,
Zu Tübingen, im alten Städtchen:
Doch gab es dort auch gute Mädchen,
Die des Gefangenen, des Armen,
Mit christgermanischem Erbarmen
Sich zärtlich – sagt man – angenommen!
Zu großem Aergerniß der Frommen
Hast Du das selber drucken lassen:
Dies Letzte konnten sie nicht fassen!)

Und jetzt als Jubilar und Greis,
Du echtes deutsches Herz, ich weiß,
Gilt das Dir doch als höchster Preis
In Deinem ruhmgekrönten Leben,
Daß Du das Reich sich sahst erheben!

Mög' uns der liebe Gott doch geben
Im Priesterkleid Mehr solcher Leute:
Das ist für uns mein Wunsch für heute,
Weil solche wir gar schmerzlich bräuchten!

Dir aber wünscht mein Herz und Mund,
Daß Du noch viele Jahr' gesund
Und hell und frisch und froh magst leuchten:
Ein echtes deutsches Kirchenlicht.«

Hier endet Wunsch sich und Gedicht
In meinem und der Freunde Namen
Mit einem tiefempfund'nen Amen!

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