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Gedichte

Felix Dahn: Gedichte - Kapitel 49
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorFelix (und Therese) Dahn
year1892
publisherBreitkopf & Haertel
addressLeipzig
titleGedichte
pagesIII-XII
created20050922
sendergerd.bouillon
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Die Fremde.

            Es schreitet aus goldnen Hallen
    Der junge Königssohn:
»Was hör' ich lockend schallen
    Solch' süßen fremden Ton?« – –
Zigeuner streichen die Geigen
Den Burschen und Dornen zum Reigen,
Und alle sie tanzen schon.

Nur Eine fern von Allen
    Und scheu bei Seite stund: –
Ihre schwarzen Hare wallen,
    Es trotzt ihr rother Mund:
»Ich kann nur ungrisch singen
Und mag nur tanzen und springen
Auf blühendem Haidegrund.« –

Die Burschen tanzten so gerne,
    Sie achtet ihrer kaum, –
Der Königsohn stand ferne
    Gelehnt am Eichenbaum;
Sie schaute zu ihm hinüber,
Die Augen gingen ihm über,
Ihm war's wie ein alter Traum.

Und zögernd kam er geschritten:
    »Willst Du tanzen nicht mit mir?« –
»Was sind so fein Deine Sitten,
    Möcht' tanzen wohl mit Dir;
Fern, wo an dunklen Seen
Die hohen Tannen stehen, –
»Dort möcht' ich tanzen mit Dir!«

Da tanzten sie über die Halde,
    – Sie hatten so frischen Muth –
Nach dem fernen, fernen Walde,
    Nach des See's tiefdunkler Fluth.
Und tanzten wonnetrunken
Als schon die Sonne gesunken
In des Abends flammender Gluth.

Und tanzten über die Wege,
    Der Mond am Himmel stund,
Und tanzten am Dorngehege
    Die Füße sich blutigwund.
Und tanzten im süßen Umfangen,
Bis daß ihre Herzen sprangen
Auf blühendem Haidegrund.

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