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Gedichte

Felix Dahn: Gedichte - Kapitel 43
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorFelix (und Therese) Dahn
year1892
publisherBreitkopf & Haertel
addressLeipzig
titleGedichte
pagesIII-XII
created20050922
sendergerd.bouillon
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Heloise an Abälard.

I.
      Das fluthet hin, das fluthet her
    Durch Deine große Seele:
Du aber birgst, wie Fels und Meer,
    Die köstlichen Juwele
In Deines Denkens tiefem Schacht.

Was aus der Forschung gold'nem Hort
    Der Geist Dir schürft und spendet, –
In Deiner Weisheit Zauberwort
    Steigt's aufwärts, glanzumblendet,
Gleich Sternen aus des Himmels Nacht.


II.
              Denkst Du der Mauern fern, die ringsherum
    Epheugeränk und Dorngeäst
Umwoben einstens zauberfest,
    Verträumt in Rosenduft: Dein Tusculum?

Leicht angelehnt war nur das Thor,
    Sacht schritt ich über Deine Schwelle, –
Aufwärts am Holzgeländer schnelle –
    Dann tratest oben lächelnd Du hervor.

Um Stirn und Schultern braune Lockenfluth,
    Die grauen Augen Blitze zündend,
Von tief Geheimem mir verhalten kündend,
    Den Leib umfloß des Mantels Faltenfluth,

Und durch die Scheiben brach ein Sonnenguß.
    – Du hieltest mich in Deinen Armen,
Erschauern mußt' ich und erwarmen:
    Die durst'gen Lippen suchten Kuß um Kuß.

Dann führtest Du mich in Dein Heiligthum:
    Wo rings die Pergamente standen,
Und Amselschlag und Rosen fanden
    Durch's Fenster gern sich ein bei Deinem Ruhm.

Und Einsamkeit barg uns in ihrem Schos:
    Rings um uns war's wie weltverhangen:
Ein Hauch, ein Seufzer nur noch rangen
    Von unsern trunknen Lippen leis' sich los.

Wohl mußt' ich da verzückt, in scheuer Gluth,
    Von Lust berauscht, die Augen schließen
Und fühlen durch mein Wesen fließen
    Das heiße Feuer Deiner Liebesfluth.

O, denkst Du's noch? Dein Liebesheiligthum!
    Das Schicksal kam! – seit Deinem Scheiden
Vereinsamt liegt's in düstrem Leiden;
    Ich aber schau's wie einst: Dein Tusculum.


III.
              Ich wandere meinem Ziel entgegen
    Im Dämmerlicht, auf krausen Wegen:
Versteckt in Tannengrün, dem stillen Haus!
    Oft über diese Schwelle schritt ich ein und aus;

Und alles Glückes höchstes Maß war mein,
    Und Haus und Glück und ich: –'s war alles Sein!
Heut' schlich ich scheu im Dunkel her:
    Seitab, gefang'nen Muth's, gedankenschwer. –

Was zögr' ich noch? Es muß ja doch gescheh'n:
    Wie ich gekommen, heimlich will ich wieder geh'n.
Leb wohl! – Horch, welch' ein sehnend Klingen
    Erweckt mein Gruß auf Echo's Schwingen:

Das Käuzlein ruft, im Mauerloch geborgen,
    Den Klageruf zu nachtumhüllten Sorgen,
Die Tannen rütteln sich, hell strahlt des Mondes Scheibe,
    Und Alles ruft mir zu: »O bleibe!« –

Und stark, wie nie, spür' ich der heißen Liebe Macht:
    Umsonst, – – zu Tode wund entflieh' ich in die Nacht.

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