Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Felix Dahn >

Gedichte

Felix Dahn: Gedichte - Kapitel 369
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorFelix (und Therese) Dahn
year1892
publisherBreitkopf & Haertel
addressLeipzig
titleGedichte
pagesIII-XII
created20050922
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

Beim Tode Richard Wagners.

I.
Chor der Menschen auf Midghardh.
            Wehe, stimmt das Lied der Trauer,
    Stimmet laute Klagen an!
Mich erfaßt mit kaltem Schauer
    Gram um den entrückten Mann.

Ach! es zog in lichtre Hallen
    Unser Zauberer hinauf
Und den Stab, der ihm entfallen,
    Keine Hand nimmt mehr ihn auf.

Ach, es ruht sein Schwert, das scharfe,
    Es verstummt der Tönemund
Und entsaitet steht die Harfe
    Und verwaist das Tempelrund.


Chor der Götter, Göttinnen, Walküren
und Einheriar in Asgardh.
Ende den Jammer und laß von der Klage,
    Unten auf Midhgardh sterbliche Schar:
Siehe, er lebt unvergängliche Tage
    Oben in Asgardhs seligem Klar.

Als ihn zu uns, den gewaltigen Degen,
    Brunhild gebracht auf der wolkigen Bahn,
Schritt ihm vom Hochsitz Odhin entgegen,
    Wie er dem herrlichen Helgi gethan.

Bot ihm das Trinkhorn Freia die Holde,
    Ewiger Jugend Aepfel Idun,
Aber die Harfe von klingendem Golde
    Reichte für immer ihm Bragi nun.

Laßt drum, Germanen, Trauern und Klagen:
    Sehet! er lebet in Asgardhs Licht
Und so lang seine Weisen beflügelt Euch tragen,
    So lang dämmern Eure Götter nicht.


II.
Die Harfe, die so lang' im Streit der Sänger
    Vor andern laut und stolz und kühn erklang,
Die Harfe mit dem Schall von Ton und Erz,
    Die Harfe mit dem Silberschwan am Bug,
Sie ist verstummt: – die Saiten, die zugleich
    So stark und süß getönt, zerriß der Tod.
Und eine große trauervolle Stille,
    Ein bang Gefühl von nie ersetzlichem
Verlust durchdringt das Volk.

                                              Auch seinen Feinden,
Den ehrlichen, wird der Gewalt'ge fehlen:
    Ein rechter Held vermißt den todten Gegner,
Mit dem am rühmlichsten die Kraft er maß.

Uns aber, seinen Freunden, sei's vergönnt
    Um diesen großen Helden unsern Schmerz
Mit lautem Wehruf feierlich zu klagen.

Ein Liebling Wotans, selbst ein kühner Wälsung,
    Mit freiem Wagniß schuf er selbst sein Maß:
Am Maß der Größe nur ist er zu messen:
    Er war ein Sänger: drum war er ein Held.

 << Kapitel 368  Kapitel 370 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.