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Gedichte

Felix Dahn: Gedichte - Kapitel 344
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorFelix (und Therese) Dahn
year1892
publisherBreitkopf & Haertel
addressLeipzig
titleGedichte
pagesIII-XII
created20050922
sendergerd.bouillon
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Den Deutschen Turnern.

Frisch! Fromm! Frei!
                  Durch diese Zeiten schleicht ein trüber Geist,
    Ein grau Gespenst, dess' Anhauch selbst der Jugend,
Der deutschen Jugend bleicht das Roth der Wange,
    Den Glanz des Auges dämpft und ach! der Seele
Die jungen Schwingen knickt, daß niemals mehr
    Sie freudig mag den Flug zur Sonne wagen,
Nie adlerkühn sich wiegen mehr im Sturm:
    Des Pessimismus Jammer-Weisheit hat
Ihr Gift in Tausende geträuft: »es wäre besser,
    Es wäre gar nichts, als daß diese Welt,
Dies Leben ist, das Schmerzen mehr als Lust birgt!« –
    Mephisto rede so: – Kein deutscher Mann!
Wir wollen frisch sein: Frisch an Leib und Seele,
    Des Schönen uns erfreu'n, das auf der Erde
Vor uns in Ueberschwang gebreitet liegt,
    Die Pflicht erfüllen und den Ausgang tragen,
Wie's Männern zukommt: deutschen Männern meist:
    Denn unser Volk ist heldenhaft geartet:
Wir wollen frisch sein! –
Doch nicht in Ueberhebung uns'rer Kraft!
    Die stärkste Eiche, die kein Sturm geknickt hat,
Erliegt des Alters schleichender Zerstörung.
    Vergänglich ist der Einzelne, der Stärkste
Wird schwach: Stark ist das Ew'ge nur,
    Der ew'ge Geist, der alles Sein durchdringt,
Nein: selbst das Einz'ge ist, was wirklich ist,
    Der Geist, den da kein Mikroskop erschaut,
Kein Messer bloslegt, kein Gedanke faßt,
    Und den doch suchen der Gedanken muß,
So lange Menschen sind. – In Ehrfurcht beugen
    Wir fromm vor ihm die Häupter und die Herzen:
Denn deutsch ist ahnungsvolle Frömmigkeit:
    Ihm heiligen wir uns und unser Leben,
Der alles Schönen, Guten, Wahren Geist:
So sind wir fromm! –
Doch nicht in Furcht und Zwang sei unser Leben,
    In freud'ger Freiheit sei es Gott geweiht.
Frei sei des Mannes Denken, frei die That!
    Wem die Vernunft ist zur Natur geworden,
Wer nicht mehr täglich führen muß den Kampf
    Von Pflicht und Neigung, wem die Pflicht ward Neigung,
Wer freudig das Vernunftnothwend'ge thut,
    Das Gott, Gewissen ihm und Recht gebieten, –
Nur der ist frei: und nur wer frei, ist gut.
    Freiheit ist Lebenslust für deutsche Art!
So sind wir frei! –
So laßt uns freudig, deutsche Turner, leben
    Für unser Volk: und muß es sein, wohlan,
Auch freudig sterben für dies deutsche Volk.
    So soll ein Wahrspruch euer Wahlspruch werden:
Ja: frisch, fromm, frei! Wer weiß ein wackrer Wort?
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