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Gedichte

Felix Dahn: Gedichte - Kapitel 33
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorFelix (und Therese) Dahn
year1892
publisherBreitkopf & Haertel
addressLeipzig
titleGedichte
pagesIII-XII
created20050922
sendergerd.bouillon
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Alte Liebe.

            »So liegt er im Sarg denn, der Schotte, der all' mein Glück zerstört,
Dem sie Lady Maud gegeben, der einst mein Herz gehört!

    Das sind nun zwanzig Jahre! – Ich glaub', es gehört ihr noch –:
Denk' ich nur ihren Namen, erhebt's ein wild' Gepoch'.

    Wer soll die Wittwe schützen nun gegen meinen Zorn?
Ihr Warwicks, auf, wir reiten! Stoßt laut in's Fehdehorn!

    Ihr Marwoods und ihr Mordreds, ihr Mallets, stoßt in's Horn!
Will wieder einmal traben durch die Buchen von Douglas-Borne!«

    So rief der grimme Warwick, sein Graubart flog im Wind.
Da sattelten seine Vettern, so viel' an dem Teviot sind.

    Die Marwoods wollten den Wildbann, die Mallets wollten den Zoll:
Der alte Warwick aber wollte kühlen seinen Groll.

    Weit zog voraus er Allen; fort trug sein Grimm ihn stark.
Allein, bei Morgengrauen, ritt er über die Schotten-Mark. –

    Das war im frühen Maien. – Aufstieg der junge Tag,
Da sprengt' er in des todten Douglas Buchenhag. –

    Und als den Ungestümen der stille Wald umfing,
Zog er gemach den Zügel: – im Schritt der Rappe ging.

    Und über sich und um sich wie staunend sah der Mann
Und strich sich unter'm Helmdach die Brauen und hob an:

    »Wie glänzt das junge Buchlaub lichtgrün im Morgenstrahl!
Thau funkelt aus den Büschen und Goldduft füllt das Thal.

    Dort äugt das Reh, das falbe! Da warnt des Hähers Schrei!
Wildtaube huscht, die scheue, pfeilschnellen Flugs vorbei.

    Zur Linken rauscht der Waldbach: – er zieht so silberhell:
Da springen nach tanzenden Mücken die Äsch' und die Forell'.

    Wie duftet süß der Weißdorn, umsummt von Bienen zu Hauf'! – –
Mir steigt wie Traum und Zauber ein andrer Mai herauf!

    Da hatten sie den Vetter noch nicht ihr aufgedrängt!
Gar oft an Maienmorgen kam ich hierher gesprengt. –

    Wie feierlich da flötet es hoch vom Buchenbaum!
Schwarz-Amsel! Ja, du freilich gehörst in diesen Traum.

    Dort, an der Brücke, war es – am dichten Schlehdornstrauch,
Dort trafen wir uns so gerne: – dann sangst Du, Amsel, auch. –

    Da wuchsen blaue Glocken so schön wie nirgend im Gau:
Weiß Gott: – da steh'n sie wieder und grüßen und nicken im Thau.

    Sie brach mit lichten Händen die Blumen sich zum Kranz
Und schlang ihn um ihr Goldhar – Ha! Wie? Bei Gottes Glanz!

    Was seh' ich an der Brücke, dort, unter den Glocken, knie'n?
Verblenden mich die Elfen? Soll ich dem Spuk entflieh 'n?

    Nein, nein! Sie ist's! – Wie damals: – 's ist Alles, wie es war!
Das weiße Gewand und die blauen Glocken im gold'nen Har!«

    Und er springt vom Roß: »Nun sage, Du Kleine, Du bist doch Maud?
O sprich, bist Du gestorben und erscheinst mir nach dem Tod?«

    Da sah ihn hell die Kleine mit lachenden Augen an:
»Maud bin ich freilich! Gestorben? Ein Geist? Ei, rühr' mich an.«

    Und langsam, sinnend, streicht er mit der erzgepanzerten Hand
Ihr über Haupt und Locken, die lächelnd vor ihm stand.

    »Sie ist's – sie selbst! – Ach nein doch! – Ihre Tochter!« seufzt er leis:
»Ach, meine Maud ist Wittwe, und ich – bin grau und weiß! –

    Kind, sprich, wie kannst Du's wagen? Wie läßt Dich Lady Maud
Allein in dem Gränzwald wandeln? – Lord Douglas, der liegt todt:

    Er hatte viele Feinde – von Fehde seid ihr bedroht.«
»Das weiß ich,« lachte die Kleine. »Doch hat es keine Noth.«

    »Du könntest irren, Kecke.« – »Nein, die Mutter hat's gesagt! –
Als an dem Sarg des Vaters das Gesinde Furcht geklagt:

    Da sprach die liebe Mutter: »Ihr Leute, zaget nicht!
Mich wird ein Held beschützen, dem keiner den Schild zerbricht.«

    Da furchte grimm der Alte die Brauen und fuhr an's Schwert:
»Ha, wer ist dieser Schützer? Wie heißt der Degen werth?«

    »So fragt' auch ich die Mutter. Die sprach: ›Das ist ein Mann,
Den ich in früher Jugend zum lieben Freund gewann.

    Lord Warwick ist sein Name. Er trug mir Groll im Sinn:
Doch nun, da ich von Allen so ganz verlassen bin,

    Da mir auf weiter Erde nicht ein Beschirmer lebt,
Nun weiß ich ganz gewißlich –‹ »Ei, wie Dir die Lippe bebt?« –

    »Was sagte sie? Vollende!« – »›Nun weiß ich sicherlich:
Der ritterliche Warwick beschützt mein Kind und mich.‹«

    Da sank der Alte nieder vor dem Kind auf beide Knie
Und griff nach ihrem Haupte, auf die Stirne küßt' er sie.

    Und nahm aus ihren Locken den Glockenblumenkranz,
Sprang auf und rief: – im Auge stand ihm ein feuchter Glanz: –

    »Maud, laß mir diese Blumen! Und deiner Mutter sag':
Lord Warwick wird uns schützen bis zum letzten Herzensschlag!« – –

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