Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Felix Dahn >

Gedichte

Felix Dahn: Gedichte - Kapitel 322
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorFelix (und Therese) Dahn
year1892
publisherBreitkopf & Haertel
addressLeipzig
titleGedichte
pagesIII-XII
created20050922
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

Meinem Pathsohn Ernst

(mit einem goldenen Becher).

                Was wünsch' ich unsrem lieben Knaben?
Freud'gen Ernst soll stets er haben.
Ernst soll er sein, kampfstark, kernecht:
    Das braucht das kommende Geschlecht.
Ein Scherz nicht soll ihm sein das Leben:
    Als Deutscher soll er in's Tiefe streben
Und treu und still zu jeder Zeit
    Thun seine verfluchte Schuldigkeit.
Denn die Schuldigkeit ist nicht verflucht:
    Sie ist gesegnet; fluchgebucht
Ist wer zu brechen sie versucht.
    Gott geb's, daß bald Du die Weisheit lernst:
»Des Lebens Freude liegt im Ernst.«

Doch werde drum kein Köpfleinhänger,
    Kein Pessimist und Grillenfänger!
Ein freud'ger Ernst sollst Du ja werden!
    Denn es ist doch schön auf der alten Erden.
(So ungefähr sprach einst sub rosa
    Zur Königin schon Marquis Posa!)
Und wer gesund im tiefsten Mark,
    Ist, wie zum Kampf, zur Freude stark.
Ich wünsch' Dir, wie die Sagen melden
    Von unsern alten deutschen Helden:
Erst kämpfen, daß die Feinde sinken, –
    Dann, daß die Feinde staunen, trinken.

Drum: goldenem Knaben
Goldene Gaben:

Der Becher soll ihm einst die Lippen laben!
    Und ist die Vergoldung nur schöner Schein, –
Ein schöner Schein von vollendetem Sein
    Ist alle Kunst und Poesie.
So wünsch' ich denn dem Knaben hie:
Goldenen Wein!
Recht viel, recht rein:
    Er soll ihn trinken,
Wo des Rheines duftige Reben winken,
    Er soll ihn trinken froh: doch auch
Mit ahnendem Sinn für den heiligen Hauch
    Der über der Blume des Weines schwebt,
Für den Mann, der Weh hat und Lust erlebt!

Und ich wünsche dem Knaben goldene Locken!
    Nicht für seine Stirn: doch seine Braut
Soll wandeln im Schmuck solch leuchtender Flocken,
    Wie er an der Mutter Schläfen sie schaut:
Ich wünsch' ihm ein Weib, goldlockig, schön,
    Wie Frigga wandelt auf Fensals Höh'n.

Ich wünsche dem Knaben ein goldenes Herz:
    Goldrein, goldtreu, in Schmerz und Scherz.
Ernst-freudig laßt uns die Becher heben:
    Der »freud'ge Ernst« – hoch soll er leben! –

 << Kapitel 321  Kapitel 323 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.