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Gedichte

Felix Dahn: Gedichte - Kapitel 32
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorFelix (und Therese) Dahn
year1892
publisherBreitkopf & Haertel
addressLeipzig
titleGedichte
pagesIII-XII
created20050922
sendergerd.bouillon
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Vom verrathenen Troubadour.

I.
                    Noch singt in Frühlingsabendstunden
    Im schönen Lande der Burgunden
Das Volk die traurig-schönen Kunden,
    Die heut' ich euch erzählen will.
Doch weicht von mir, ihr Herzgesunden!
    Nur wer da kennt der Minne Wunden,
Der lausche mir: verstehend, still.

Denn das ist doch das tiefste Beben
    Im qualenreichen Minneleben,
Das sich im Herzen mag begeben,
    Wenn nicht der äußern Feinde Macht,
Wenn, wieder nehmend, was gegeben,
    Ein schwankend Hin- und Rückwärts-Streben,
Untreu die Treue elend macht.

Drum preis' ich dich vor allem, Stäte,
    Und grüße dich im Heißgebete
So brünstig, wie ich niemals flehte,
    Als meiner Liebe Stolz und Stern:
Ob Jugend wich, ob Reiz verwehte,
    Die Aerndte bleibt, die Treue säte:
Die Treue ist der Liebe Kern!


II.
So sang der verrathene Troubadour,
    Als Blanchefleur brach ihren Schwur:
»Nun ist Dir wohl! Nun ist's vorbei!
    Dein Beicht'ger sprach den Segen:
Du hast bereut! Dein Aug' blickt frei,
    Und in der Zucht Gehegen
Gehst Du auf sichern Wegen!

Kaum zischt noch eine Neiderin:
    »Wie war's doch mit dem Sänger?«
»Verstört hat sie der Dränger!
Er trug sie, nie sie ihn im Sinn!
Man spricht davon nicht länger!«
    So wird dem Fragen Antwort gleich. –
Und Du? Ei, du sagst »Amen«,
    Du Sittigste der Damen,
Und wirst kaum noch ein wenig bleich,
    Vernimmst Du meinen Namen.
O Blanchefleur: – ich meine doch:
    Durchrieselnd wird Dich's mahnen,
So oft Dich grüßt das Schöne noch
    Auf deinen staub'gen Bahnen
Mit einem leisen Ahnen.

Denn nun versiehst du lobesam
    Das Tagwerk höf'scher Werke.
Zwar welkt Dein Herz, Dein Schwung wird lahm,
    Doch leiht Dein Stolz Dir Stärke,
Daß nie ein Aug' es merke.
    Und steigt mein stummes Bild Dir auf, –
Am Rosenkranze zählst Du
    Die schwarzen Küglein ab und auf,
Dem Himmel Dich vermählst Du –
    Zu Tod Dein Sehnen quälst Du!

Doch, bricht der Mond aus Wolken vor,
    Liegt Rauhreif auf den Bäumen,
Klingt Dir Rothkehlchens Lied in's Ohr,
    Siehst Rhonewein Du schäumen,
Den Rapphengst stolz sich bäumen, –

Schaust Du den Stern im Abendroth,
    Hörst Du die Harfe klingen
Von Heldenthum und Heldentod
    Und von der Liebe Ringen,
»Treu bis zum Tode«, singen: –

O Blanchefleur, dann hilft Dir's nicht,
    Das Haupt gesenkt, zu schweigen:
Gluthroth wird Dir in's Angesicht
    Das Meingedenken steigen,
Und flüsternd Deine Seele spricht:
    »O Farben! Träume! Töne!
Er grüßt mich durch das Schöne
    Ach, ob ich's nie entwöhne?« – –


III.
Nie hat ein Feindes Schwert mir Schreck geblitzt,
    Nie Feindes Speer mehr als die Haut geritzt:
Die Todeswunde, die mein Herz muß klagen, –
    Geliebte Hände haben sie geschlagen! –

IV.
Ja, wenn ich könnte vergessen Dein,
    Dann würd' ich wieder genesen!
Des blauen Auges sanften Schein,
    Das holde Lächeln, das Näslein fein,
Des Har's kleinwelliges Sonnengold, –
    Den schwebenden Schritt, so anmuthhold,
All' Dein liebreizendes Wesen:
    Dann würd' ich wieder genesen!
Doch ach! Wie könnt' ich vergessen Dein!
    Und Dein holdseliges Wesen!
Und könnt' ich vergessen! – ich sagte: Nein!
    Viel lieber nimmer genesen! –

V.
Wehe dir, schöne Verrätherin, weh!
    Sei mir verflucht vom Wirbel zur Zeh!
O nein! O nein! Noch in Todespein, –
    Dein holdes Haupt soll gesegnet sein
Und deine falsche Seele gesegnet:
    O heil mir, daß du mir begegnet!
Für jeden Blick Dank, jedes Wort
    Und auch für Deinen Menchelmord!

VI.
Ach, ich sollte von Dir flüchten –
    Und bei Dir nur möcht' ich sein!
Ach, ich sollte Dich vergessen –
    Und ich denke Dich allein!
Ach, so oft ich Dein gedenke,
    Sollt' ich Dich verwünschen stets: –
Und ich hauche deinen Namen
    Mit der Andacht des Gebets! – –

VII.
Greif aus, mein Rapp, mit Springen:
    Gesiegt muß heute sein!
Hei, scharfe Feindesklingen –
    Hinein, mein Roß, hinein.

Von ihres Schlosses Zinne
    Die Schöne schaut uns zu:
Nur Sieg schwebt ihr im Sinne, –
    Nicht ich, mein Rapp, noch Du.

Um ihren Stolz nur bangt sie,
    Ob sie die Herzen bricht:
Des Sieges nur verlangt sie:
    Den Sieger braucht sie nicht.

Greif aus, mein Rapp, mit Springen!
    Erfüllt sei ihr Gebot:
Den Sieg soll man ihr bringen:
    Und uns zwei beide – todt.


VIII.
O wie war ich so froh um den Kranz auf dem Har:
    Ihn hatte ja Sie mir gegeben!
O wie war ich so froh um das Schwert in der Hand:
    Ich durft' es für Sie erheben! –
O wie bin ich so froh um den Pfeil in der Brust: –
    Für Sie verblutet mein Leben:
Sie aber wird lächelnd über mein Grab,
    Zu beglücken den Andern, schweben! –
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