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Gedichte

Felix Dahn: Gedichte - Kapitel 312
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorFelix (und Therese) Dahn
year1892
publisherBreitkopf & Haertel
addressLeipzig
titleGedichte
pagesIII-XII
created20050922
sendergerd.bouillon
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Zur Hochzeit einer Schauspielerin mit einem ProfessorVergleiche oben: »Scherze« S. 242..

Wo bei fröhlichem Fest in versammelter Schar nur der Freude die Jungen gedenken,
    Sei dem Alter vergönnt – und dem Dichter zumal! – in den Ernst den Gedanken zu senken.
Denn es eignet der Kunst, daß das Einzelne sie, das Vergänglichkeit schleunig umnachtet,
    Zu den Sternen erhebt und als Spiegelbild von dem Ewigen sinnend betrachtet.

Als die Kunde kam, daß dies schöne Geschöpf, das der Kunst Melpomenens geweiht war,
    Sich dem Freunde verlobt, der der Wissenschaft in den vordersten Heerbann gereiht war, –
Da erfreute sich tief in der Brust mir das Herz. – Nicht nur, weil mir sicher bewußt war,
    Daß vortrefflich gesellt, mit der Bürgschaft des Glücks, dies Par für den Ernst und die Lust war, –
Auch weil ich erkannt ein bedeutsam Symbol in der Beiden Suchen und Findung:
    Denn sie sind mir des Schönen und Wahren zugleich die begeisterte Liebesverbindung.

Wie es Platon gelehrt, daß die ew'ge Idee uns erscheint im Gewande des Schönen:
    So erseh'n wir in diesem erlesenen Par sich die Kunst und das Wissen versöhnen.
Und das Wissen gewinnt unvergleichlich dabei: denn des Menschen Wissen ist Stückwerk:
    Doch die Schönheit ist wie die heilige Kunst ein von Göttern geschaffenes Glückwerk.
Auch der Weiseste spüret die Endlichkeit in der Forschungen kühnstem Getriebe:
    Das Unendliche stellt uns die Schönheit dar in der Kunst und begeisterter Liebe.

Und dies, du Künstlerin, laß heut' mich, den Genossen, den Dichter, Dir sagen:
    Die Begeisterung sollst Du aus Deiner Kunst in die Ehe hinüber tragen:
Kein Abschied ists, eine Wandlung nur: und Heil Dir, daß Du sie korest,
    Die dem Weib unentbehrliche Myrthe gewannst und doch nicht den Lorber verlorest:
Denn der Lorber ist das geweihte Blatt der von Schönheit begeisterten Seele:
    Da! – nimm ihn! – den letzten! aus meiner Hand, daß er nimmer am Herd Dir fehle.
Nicht der Verse bedarf's noch Theatercothurns: – nein, im Herzen wohnet Dir die Schöne,
    Und Du trägst sie Dir mit in das eheliche Haus, daß es nie sich der Weihe entwöhne.
Ihr Andern aber, seid dessen gedenk: nur den Boden schafft uns der Nährstand,
    Nur als Mittel zum Zwecke des Friedens führt in den Händen die Waffe der Wehrstand:
Zu nimmer erreichbar fernem Ziel strebt forschend und suchend der Lehrstand:
    Doch den Künstlerstand, – den ehrt mir hoch: denn die Künstler sind der Verklärstand,
Die des Daseins sonst unerträgliche Last mit dem Schein der Vollendung verklären
    Und dem Sehnen nach Ewigem selige Rast in dem Traume des Schönen gewähren.
Wo das Wissen sich eint mit der Schönheit zumal, wie des Leibes, der Kunst und der Seele,
    Da erschau'n wir, in leuchtendes Gold gefaßt, der Menschheit höchste Juwele.
Und so laßt, von des Pars begeisterndem Glück selbst begeistert, die Becher uns heben:
    Die Schönheit hoch und die Wissenschaft und die Glücklichen hier: – sie leben!

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