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Gedichte

Felix Dahn: Gedichte - Kapitel 308
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorFelix (und Therese) Dahn
year1892
publisherBreitkopf & Haertel
addressLeipzig
titleGedichte
pagesIII-XII
created20050922
sendergerd.bouillon
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Zur Hochzeit einer Offiziersbraut.

          Viel heit're Worte wirst Du, heit're Wünsche
    Vernehmen zu dem freudevollen Tag.
Doch tiefer als der Lust gehört dem Ernst
    Dies hohe Fest: es sei der Scherz der Menge,
Dem Dichter sei das ernste Wort vergönnt.

Beklagt hab' ich bei manchem Brautfest schon
    Die edle Myrthe, die geweihte Blume:
Denn wenn ich Braut und Bräutigam beschaute,
    Empfand ich: ach, die Myrthe seh' ich wohl,
Jedoch nicht heilgen Bund, der Myrthe werth.

Durch Deine dunkeln Locken wird sich gern,
    Um Deine edle Stirn die Myrthe ranken.
Denn, ob ich selten Dir in's Auge sah, –
    Der Dichter schaut durch's Auge tief in's Herz,
Und klar hab' ich von Anbeginn erkannt,
    Daß edel und voll Anmuth, wie Dein Antlitz
Ein güt'ger Gott die Seele Dir gestaltet:
    Dir ward die Weichheit und die Kraft nicht minder
Die voll des Weibes schwere Pflicht erheischt. –

Soldatenbraut: Du wirst der Kraft bedürfen!

Als ich zuerst am Arm des ritterlichen
    Erkorenen Dich vor mir schreiten sah, –
– Ihr saht mich nicht, in junges Glück versunken –
    Da freut' ich herzlich mich des schönen Pars:
Denn Schönes schön verbunden schauen ist
    Ein seltnes Labsal für des Künstlers Auge
Und herrlich zu der Myrthe paßt der Lorber.

Seither hab' oft ich, herzlich Euer denkend,
    Mir still gesagt: »dies Par wird glücklich werden: –
Durch eigne Schuld wird es sein Glück nie stören.
    Doch furchtbar ist der Weltgeschichte Gang,
Und eisern tritt sie über Werth und Glück,
    Tritt über Haupt und Herz der Menschen hin.«
Und Rührung faßte mich; ich mußte denken:
    »Welch' Bangen wird dies zarte Herz belasten,
Wann je aus ihrem Arm mit eh'rnem Schall
    Den jungen Helden die Trompete ruft!« – –

Drum wünsch' ich Dir – denn mir ward nicht gegeben,
    Im Augenblick des Frohsinns aufzugeh'n:
Vorschauend muß ich stets das Künft'ge denken –
    Drum wünsch ich Dir als Hochzeit-Angebinde:
Daß diesem deutschen Reich verbleibe Friede; –
    Und muß es doch einst sein, muß aus der bangen
Umarmung los sich reißen der Husar, –
    Heil trage bald ihn Dir das treue Roß
Zurück aus flammenflügligen Geschossen.
    Dann streichle dankbar Du dem Roß den Bug
Und denk' an diesen meinen Hochzeit-Wunsch.

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