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Gedichte

Felix Dahn: Gedichte - Kapitel 297
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorFelix (und Therese) Dahn
year1892
publisherBreitkopf & Haertel
addressLeipzig
titleGedichte
pagesIII-XII
created20050922
sendergerd.bouillon
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Zu Victor Scheffel's sechzigstem Geburtstag.

        Mein theurer Freund! Nun wirst Du sechzig Jahre:
Und dreißig werden's, daß wir Freunde sind:
Ein Menschenalter, voll von Lieb' und Treue,
Von keinem leisen Mißklang je gestört.

Um unsre Schläfe wogte braun Gelock,
Da wir zuerst im Haus des alten Thiersch
In München uns geseh'n und bald empfunden,
Daß innerlichst zusammen wir gehören.

Es hatte just der Ekkehard, der stille,
Selbst des Trompeters helle Ruhmfanfare
Laut übertönt: Du aber sannst bereits
Auf andre Weisen von noch höh'rem Ton:

»Die alte Freundin geistert auf den Straßen!«
Frau Aventiure lockte Dich davon
In Einsamkeit des Bergwalds und des Winters,
Und dort erwuchsen jene Lieder, denen
In deutscher Sprache keine sich vergleichen. –

Welch' bunte Wechsel sah'n die dreißig Jahre!
»Modern« ward Mancher rasch, vergessen rascher,
Und in der deutschen Dichtung hat der Wind
Des Tagsgeschmacks unzählbar oft gewechselt.
Du bliebst Dir gleich. – Und gleich auch blieb ich mir:
So sind wir immer Hand in Hand gestanden,
Mag den modernsten Schmutz man von Paris,
Mag den Berlins man als »das Schöne« preisen
Und als der Dichtung Zweck, das Ekelhafte
Zu conterfei'n, »zu lösen die Probleme
Der Gegenwart« – (mit Versen und Romanen!)
Mag Volk und Stat man aus der Dichtung bannen,
Langweilig unsre Heldenvorzeit scheltend
Nur Liebesgirren als der Dichtung Stoff
Zulassen in Boudoir und Thee-Salon: –
Uns kümmerte nicht! – Fernab vom Lärm des Tages,
Von der Reclame Narrenschellngerassel,
Steh'n wir, getreu den Jugendidealen,
Das Schöne bildend um der Schönheit willen,
Aus grauer Vorzeit bis zur Gegenwart
Die Wandlungen und minder nicht die Stäte
Von unsres Volkes Eigenart erkundend,
Des neuen Reichs uns freuend, dessen Werth
Die freilich nicht verstehen, die es nicht
Gleich uns entbehrt, ersehnt und miterkämpft.
Weil wir der Jugend treu geblieben sind,
Blieb uns die Jugend treu. Drum Gaudeamus!

Glück auf zu Deinen Sechzigen, mein Victor:
Im Jubeljahr von Deinem Heidelberg,
Ein Sieger, schaust Du rückwärts auf Dein Leben!

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