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Gedichte

Felix Dahn: Gedichte - Kapitel 292
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorFelix (und Therese) Dahn
year1892
publisherBreitkopf & Haertel
addressLeipzig
titleGedichte
pagesIII-XII
created20050922
sendergerd.bouillon
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Juli 1870.

I.
        Vom Untersberg, dem alten,
    Wohl auf der Walser Haid'
Nachts Kampfesrufe schallten
    Über deutsche Lande weit.

Wer hat den Ruf vernommen? –
    »Zum Streit! Genossen, auf!
Nun ist die Zeit gekommen,
    Ihr Helden all', wacht auf!

Ihr saßt viel tausend Stunden
    Im dunklen Bergessal:
Ihr träumtet tiefe Wunden
    Und schliefet all' zumal.

Nun greift zu Schwert und Schilden,
    Rückt Helm und Beil zurecht,
Und fort zum grimmig wilden,
    Zum tödtlichen Gefecht!

Nun thut sich auf mit Schweigen
    Des Berges Felsenthor:
Auf! laßt die Hengste steigen
    Und streckt die Speere vor.« –

Sie haben Dich vernommen,
    Herr Karl. Und schlafentbannt
Die alten Helden kommen
    Und retten das deutsche Land.


II.
                  Für Recht, für Freiheit und Vaterland!
    Germania drückt uns das Schwert in die Hand,
Kein Preußen, kein Baiern, kein Schwaben mehr:
    Ein deutsches Volk, eine deutsche Wehr
Steh'n wir zusammen im heiligen Streit.
    Trutz wälschem Hochmuth, trutz gallischem Neid. –
Dem Erzfeind Tod, der den Frieden stört
    Und blutigen Kampf uns heraufbeschwört.

Wir steh'n zusammen: Ein Schwert, ein Mann,
    Laß seh'n, wer uns bezwingen kann! –
Wir steh'n zusammen im blutigen Feld,
    Wir fallen zusammen, Held an Held:
Allsiegende Kraft, unbeugsamer Muth
    Erwächst aus der Brüder vergoss'nem Blut!
Wir steh'n zusammen mit Herz und Hand
    Für Freiheit, für Recht und Vaterland.

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