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Gedichte

Felix Dahn: Gedichte - Kapitel 29
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorFelix (und Therese) Dahn
year1892
publisherBreitkopf & Haertel
addressLeipzig
titleGedichte
pagesIII-XII
created20050922
sendergerd.bouillon
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König Manfred's Tod.

            Auf, in den Sattel, ihr freud'gen Vasallen!
    Seht ihr die Fahnen der Friedriche wallen,
Fahnen des staufischen Heldenthums?
    Senket die Speere nun, spornet die Rosse,
Folgt in's Gewölk mir der Todes-Geschosse,
    Sicher des Sieges nicht, – aber des Ruhms.

Einer von uns nur auf sieben von ihnen!
    Immer die Wenigern sind Ghibellinen!
Freut euch, ihr Schnitter, der Fülle des Korns!
    Hört ihr die Hörner des Feindes erdosen?
Seht ihr sie nah'n! ja, sie sind's die Franzosen:
    Drauf mit dem Sturme des schwäbischen Zorns!«

»Folget dem König! Sonst ist er verloren!
    Seht, wie der Feind sich zum Ziele gekoren
Einzig den silbergeadlerten Helm!
    Rettet den Herrn und die staufische Krone,
Eilet, Siciliens tapfre Barone,
    Zeigt, wer ein Ritter ist oder ein Schelm!«

Theobald rief es, des Königs getreuer
    Seneschal, und wie ein loderndes Feuer
Brach den Gascognern er mitten in's Herz;
    Und von des Königs umschleudertem Haupte
Rasch er den Helm, den gefährdenden, raubte,
    Tauschend dafür ihm die Haube von Erz.

Und in dem Helme, dem leuchtenden, stürmt er
    Links in den Feind: von Erschlagenen thürmt er
Blutige Haufen schon weit von dem Herrn.
    »Das ist der Staufer, ihr kühnen Vasconen,
Das ist der Ketzer, ihr frommen Bretonen!«
    Hetzet der finstere Anjou von fern.

»Hört mich, Picarden, Normannen, Burgunden:
Herzog ist, wer ihn mir bringet gebunden,
Graf, wer sein Haupt vor die Füße mir legt;
    Aber Urban hat, der Papst, es verkündet:
Völliger Ablaß, wieviel er gesündet,
    Ihm, der den König der Ketzer erschlägt.«

Wehe, da stürzt mit durchspeeretem Rosse
    Theobald unter dem Sturm der Geschosse:
Aber schon naht ein Gewaltiger sich,
    Reißt ihn empor aus dem Blut, aus dem Staube,
Und von dem Haupte sich schlendernd die Haube
    Ruft er: »Ihr irret! der König bin ich!«

Und sie entflieh'n, als ob Wetter sie träfe:
    Aber da zischt durch die offene Schläfe
Ihm ein bretonischer Pfeil in das Hirn: –
    Feuriges Herz – o welch' eisiges Stocken,
Weh' euch, ihr goldenen, staufischen Locken,
    Weh', du gedankengeweitete Stirn!

Weh' um dich, Liedermund voll Aventüren,
    Weh' um dich, Hand, die du wußtest zu rühren
Lieblich wie keine, der Harfe Gesait:
    Weinet, ihr Frauen, und klaget, ihr Sänger:
Aber ihr Darbenden klaget noch bänger:
    Kalt ward die Spende-Hand: – hart wird die Zeit.

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