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Gedichte

Felix Dahn: Gedichte - Kapitel 289
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorFelix (und Therese) Dahn
year1892
publisherBreitkopf & Haertel
addressLeipzig
titleGedichte
pagesIII-XII
created20050922
sendergerd.bouillon
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Lieder eines Kauzes.

Geh, suche dir des Lebens leichten Scherz
    Und laß einsamer Schwermuth dieses Herz.

*

        Der Weltlust klag' ich wenig nach!
    Mein Glück halt' ich geborgen:
Glück, – Leid und Sorgen.
    Mein Kleid ist braun, mein Herz ist jach,
Mein Haupt wieg' ich in Träumen.
    Geh, Weltkind, ohne Säumen.
Thu nach des Lebens klugem Brauch:
    Mich aber – Dir ein Grausen!
Laß einsam hausen
    In Stein und Strauch.

*

        Heiser, rauh klingt meine Stimme!
    Von der Weltfahrt floh mit Grimme
Ich zurück zum hohen Stein.
    Was trug die Reisefahrt mir ein?
Kein Glück, das nicht schon früher mein,
    Kein Gut, wie ächtes Gold so rein,
Kein Quell, der hier nicht reicher floß,
    Kein Blühn, das hier nicht schöner sproß,
Nichts Besseres, als mich hier umringt,
    In meines Waldlands Klausen, –
Ei! wieder im Stein will ich hausen:
    Träumen will ich und sagen
Von alten, seligen Tagen,
    Jauchzen will ich und klagen,
Bis daß mir das Herz zerspringt!

*

Ich bin ein Kauz und weiß es doch,
    Wie süße Lieder klingen: –
Und leb' ich lang', so lern' ich noch
    Die rechte Weise singen.

*

Singen kann das Käuzlein nicht,
    Rufen nur und klagen
Und durch Nacht und Dämmerlicht
Himmelsträume tragen.

*

    Wann ich durch die Dämmrung irre,
    Streicht der Wind mir um die Stirn:
Süße Träume, wild und wirre,
    Geh'n mir dann durch Herz und Hirn.

*

        Mir kommen der Träume viele
    In linder Frühlingsnacht.
Ich träume sie nicht zum Spiele,
    Ich habe sie nicht erdacht.

Wann Schwäne den Lockruf tauschen,
    Wandernd bei Sternenschein,
Dann fallen im Windesrauschen
    Mir uralte Mären ein.

*

    Sein Lieb' hat Einer geworben
    Wie der wilde, ziehende Schwan:
Verirrt in der Fremde, gestorben, –
    Sie haben's um Liebe gethan.

*

        Mir kommt's wie oft geträumter Traum,
    Wie ein Märchen, das ich gelesen:
Goldamselruf am Waldessaum
    Und zwei Menschen, die glücklich gewesen.

*

      Du schmähst meine Weise,
    O Rabe, zu stark:
Wohl tönt sie leise; –
    Doch dringt sie in's Mark.

Ich rufe mit Stocken
    Und bohrendem Schrei,
Mit zwingendem Locken
    Mein Glück herbei!

*

        Ich saß zur Nacht im Dorngeäst
    An altgewohnten Stellen.
Da brach ein Dornstich meine Ruh',
    Und feindlich rief der Strauch mir zu:
»Ei Kauz, was sitzest du hier fest,
    Du störst der Knospen Schwellen!«

Da hub ich sacht mein Schwingenpar
    Und schied mit leisem Wittern
Aus maienduft'ger Waldespracht
    In meines Felsspalts graue Nacht: –
Still war die Luft, der Mond schien klar –
    Mein Herz nur schlug mit Zittern.

*

        Jüngst flog' ich wieder in den Hag,
    Wo wilde Rosen ranken,
Der Morgen schwand, schon stieg der Tag
    Ueber die Bergesschranken.

Leis' streifte meiner Schwingen Hauch
    Die altgewohnte Stelle,
Da rief der blüthenschwere Strauch:
    »Setz' dich zu mir, Geselle!«

Hei! freut' ich mich der duft'gen Luft:
    Am Dorn, der mich gestochen,
Da waren nun in bunter Blust
    Viel Rosen aufgebrochen.

*

        Ich bin ein Kauz und weiß es gut,
    Wie allgewalt'ge Liebe thut: –
Und kann es doch nicht sagen:
    Drum hört Ihr Nachts mich klagen.

O du um deines Liedes Schall,
    Wie bist du selig, Nachtigall!
Wie kannst du jubelnd schlagen,
    Und Lieb' zu Liebe tragen.

Mein Herz verbrennt und mein Gebein
    Vor Lieben und vor Seligsein,
Ich aber kann's nicht sagen:
    Drum hört Ihr Nachts mich klagen.

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