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Gedichte

Felix Dahn: Gedichte - Kapitel 281
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorFelix (und Therese) Dahn
year1892
publisherBreitkopf & Haertel
addressLeipzig
titleGedichte
pagesIII-XII
created20050922
sendergerd.bouillon
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Das Märchen erzählt.

                Mir kam ein Kistlein, roth, grün, blau,
    Drauf stand geschrieben: »Vielliebe Frau,
Schneide die Haften und Knoten entzwei:
    Dann schaust Du allerhand Zauberei.«
Ich that's: da flog mir ein Englein entgegen
    Und sang mir einen Weihnachtsegen.
Eine Schlange kroch aus feuchtem Mos
    Und sprach: »Ich komm' aus des Eichwalds Schos,
Der steht nun kahl: und eis'ger Nord
    Blies Licht und Gluth und Leben fort:
Des Zaubers weiß ich viel zu treiben,
    Drum laß mich, Herrin, bei Dir bleiben.«
Drauf gurrten traumvernickt zwei Tauben:
    »Wir wohnten hoch in Blätterlauben:
Die welkten ab: der Bach trägt Eis,
    Rück' uns an's Feuer, doch sacht und leis.«
Nun sprang ein Häslein auf: »Ach Kind!
    Unheimlich bläst im Feld der Wind;
Und selbst im Wald, wo ich Sommers gewohnt,
    Hat der Winter nichts verschont. –
Rasch, schüttle mir Streu, leg' Kohl dazu,
    Friedlich bin ich und freundlich sei Du,«
Da hob sich zierlich ein Rehlein auf:
    »Zu Dir rannt' ich, in gradem Lauf,
Als Fußes Schemel dien' ich Dir,
    Du gieb von Deinem Brode mir!«
Oh weh, da krabbelten noch heraus
    Zwei Schnecken, auf dem Rücken ihr Haus,
Die hatten tief im Kraut gesessen,
    Sie baten: »Mußt uns nicht vergessen,
Leg' uns sammt Kraut auf den Schemel dort.
    Wir krabbeln nicht an und kriechen nicht fort.«
Ein Pilz hob sich auf hohem Stiel:
    »Zwar hast Du schon der Gesellen viel,
Doch möcht' ich dort, in den Mauerritzen
    Hier recht gedeihlich neben Dir sitzen.
Einst war ich eines Elben Hut:
    Das ist eine lustige, fahrende Brut,
Sie tanzten Nachts im Mondenschein: –
    Der Pilzhut stand ihnen wirklich fein: –
Sie tanzten hin, sie tanzten fort,
    Vergaßen mich achtlos am dunkelsten Ort:
Da dacht' ich: will zum Märchen wandern,
    Das ist hold und freundlich vor andern,
Und was ich alles geseh'n und gehört
    Erzähl' ich Dir gern, wenn wir ungestört.«
Ich bog das Kistlein hin und her:
    Nun war's zu Ende, nun kam nichts mehr.
Da that ich jedem, was es begehrte,
    Achtsam, daß sich keins beschwerte
Und sprach dabei: »Wohlan, es sei!
    Ich berge Dich, Waldzauberei.«
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