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Gedichte

Felix Dahn: Gedichte - Kapitel 192
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorFelix (und Therese) Dahn
year1892
publisherBreitkopf & Haertel
addressLeipzig
titleGedichte
pagesIII-XII
created20050922
sendergerd.bouillon
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Sehnsucht.

                    Warum so oft in Blüthentagen
    Weht durch den Lenz ein ängstlich Zagen?
Warum so oft nach hellem Sonnenschein
    Hüllt sich der Himmel rasch in Schleier ein?
Darf bei des Lebens vollstem Segen
    Auch Wehmuth ihre Flügel regen?
Ach! oder ist es nur des Echo's Ruf,
Den meines Herzens Sehnsucht schuf?

*

        Ein Adler regt die Schwingen:
    Er schwebt in lichtem Glast,
Mir will das Herz zerspringen
Vor Sonnensehnsucht fast.

*

        O nimm auf Deine Flügel
    Mein gottverlangend Herz,
Und über Thal und Hügel
    Trag' Du es himmelwärts.

Ich fühle mich erbeben
    Im heißen Sonnenstrahl,
Den Adler seh' ich schweben
    Fern über Berg und Thal.

Und glühend aus dem Herzen
    Mir tiefer Seufzer bricht:
Halb selig, halb in Schmerzen
    Schau' ich in's Sonnenlicht.

*

        Mir sind verwehrt der Liebe Klagen,
    Tief verborgen muß ich tragen
Heiße Gluth, die mich verbrennt:
    Einer lebt, der ganz sie kennt.

*

        O komm! eh' die Lieder verklingen,
    Eh' schweigende Nacht um mich ruht
Und des Todes schwarze Schwingen
    Ersticken die flammende Gluth.

O komm! eh' im zitternden Herzen,
    Vom Brand Deiner Liebe gewährt,
In unsäglich bitteren Schmerzen
    Mir Sehnen die Seele verzehrt.

*

        Spanne die Flügel, Sehnsucht!
    Spanne sie weit und schwinge sie leicht;
Flieg' über Land, über Wasser und Land,
    Fliege, bis daß Du sein Herz erreicht.

*

        Nicht Ungemach noch staubig Müh'n
    Ruft Seufzer auf die Lippe mir:
Das thut der Liebe zuckend Glüh'n
    Nach Vollvereinigung mit Dir.

*

        Schuf Dir's eigenes Verschulden,
    Ward Dir's eine Schickungspflicht:
Lerne sehnend Dich gedulden,
    Glühend Herz, und springe nicht!

*

        Was der Blume Sonnenschein und Thau,
    Ist meiner Seele des Geliebten Schau.

*

        Hoffenden Harrens Sonnenschein: –
Vergebenen Wartens trostlose Pein!

*

        Weh! wer in vollen Zügen
    Den Liebesbecher trank,
Er findet kein Genügen:
    Entbehren macht ihn krank.

*

        Ach, hörtet je Ihr Nachtigallen schlagen
    In nebelschweren grauen Regentagen? –
Wie sollt' ich Worte fügen denn und singen,
    Nun mir das Herz in Gram schier will zerspringen!

*

        Nun Trutz Euch, ew'ge Mächte! Brecht heraus!
    Mit Schmerzen, Trennung, Kampf und Kummer habt Ihr uns getroffen,
Wir halten Eurer Donner Schläge aus:
    Sie überdauert unser Glauben, Lieben, Hoffen.

*

        Um Ruhm und Ehre nicht, noch Glanz
    Nicht um der leichten Freude Kranz:
Ach! um ein unerreichbar Lieben
    Sind wir auf steile Höh'n getrieben.

*

        Ahnst Du's, wie ich begehre nach Deines Auges Strahl?
    Dann weißt Du, wie ich lebe: Dir fern in dunkler Qual.

*

        Keine Seele kann fassen, keine Zunge sagen,
    Welch' Sehnen nach Dir mein Herz muß tragen.

*

        Wohl ward noch nie in Menschentagen
    Solch Sehnen hin und her getragen,
Als zwischen Dir und mir..

Auf heißen Liedes hohen Wellen
    Im Rhythmus unsre Seelen schwellen,
Bis sie in Eins gewogt,

Dann schlagen lohend rothe Flammen
    In einen hellen Brand zusammen
Und leuchten durch die Welt.

*

        Wie vom Himmel die Tiefe, so weit
    Ach! bin ich von Dir: –
Und zu Gespielen gesellten sich mir
    Sehnsucht und Einsamkeit.

*

        Könnt' meine Sehnsucht sprechen,
    Sie spräche nie: –
Dein Herz müßte brechen, –
    Spräche sie.

*

        Ich fände leicht die wirren Straßen,
    Die zu Dir ziehn: –
Ach und ich liebe Dich aus der Maßen
    Und soll Dich fliehn!

*

        Ich liebe das Licht und liebe die Sonne:
    Aber viel mehr lieb' ich Dich.
Ich liebe des Windes schwellende Wonne,
    Aber mehr noch, viel mehr Dich.

Der Lenz ist schön mit Blust und Segen,
    Aber schöner viel bist Du: –
Herrlich ist Thau und Morgenregen:
Doch der Herrlichste bist Du.

Im grünen Wald auf rother Haide
    Suche bunte Blumen ich:
Aber mehr in Lust und Leide
    Immer, überall, such' ich Dich.

*

        O wohl ihm, wer im Ueberschwang der Lust
    Ausjubeln darf den heißen Drang der Brust.

*

        Die höchsten Freuden, die tiefsten Schmerzen
    Jubeln und brennen schweigend im Herzen.

*

        Schon ward in aller Menschen Zungen
    Der Liebe Lust und Leid gesungen:
Wie sie gelohnt in Ueberfluß
    Und wie sie doch verrauschen muß. –
Doch jene Liebe, stillverschwiegen,
    Die keinem Schicksal wird erliegen, –
Wie selten sie doch Sänger fand.
Die singt nur, wer sie selbst erkannt.

*

        Mag's regnen, mag die Sonne scheinen: –
    Wem's weh' im Herzen, der muß weinen.

*

        Weh, wehe! wenn Du nun gleich mir
    In stillen Schmerzen brennen mußt!
Wär' mir's vergönnt, ich nähme sie Dir
    Und senkte sie all' in meine Brust.

*

        Tage wechseln mit Nächten,
    Es wechseln Sonn' und Mond:
Doch immer gleich mir im Herzen
    Die große Sehnsucht wohnt.

*

        In seligen Tagen nicht geize mit süßem Gewähren:
    Ach, dem Genuß folgt bittres Entbehren.

*

        Selig Schweigen,
    Das Haupt leis' neigen,
Dich mir denken,
    In Dich versenken
Mein ganzes Sein, –

So treib' ich's gerne,
    Bin ich Dir ferne. –
Im Herzen schwellen
    Die Sehnsuchtswellen:
Bin ewig Dein.

*

        Wie mein Kopf an ihn denkt,
    Mein Sinn nach ihm lenkt,
Mein Herz an ihm hängt,
    Dem Einzig Einen!
Die Sonn' ist nicht rein,
    Der Tag ohne Schein,
Nur Kummer mein.
    Ist er fern mir Alleinen!
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