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Gedichte

Felix Dahn: Gedichte - Kapitel 182
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorFelix (und Therese) Dahn
year1892
publisherBreitkopf & Haertel
addressLeipzig
titleGedichte
pagesIII-XII
created20050922
sendergerd.bouillon
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Einer Freundin.

        Wir schenken Dir, Du tief geliebte Freundin,
Zum fünfzigsten Geburtstag diese Bilder:
Die Deinen von dem Ahn zur Enkelin
Die Aeltern und die Schwester und den Gatten,
Das Kind, den Eidam und der Tochter Kind:
Die Aussat und die Aerndte Deines Lebens.
S'ist wenig, – scheint's – und doch unendlich viel.
Vier Menschenalter, noch vergnügt und glücklich,
Kein Mißklang, wie er schrillt durch andre Häuser,
Vom Glück gesättigt – beinah' – jedes Leben,
Bis es im hohen Alter sanft vom Stamm fällt.
Und in Dir selbst im weißen Har die Vollkraft
Des Frauenthums an Leib und Seele freudig:
– Ach, jünger als so viele, welche niemals
Jung waren! – und im Herzen sprudelnd stark
Der Born, der Deines Wesens Wurzeln frisch hält,
Der Born mit dem melodischen Gesange,
Der Dir seit mehr als dreißig Jahren quillt:
Der Melusinen-Born der Poesie.

Und wenn Du diese Bilder musterst: – keines,
Das nicht ein Zeuge wäre Deiner Liebe
Und Zeuge auch der Dir geschenkten Liebe:
Denn reichlich, wie Du gabst, ward Dir gespendet,
Und ein Magnet der Liebe ward Dein Herz.

Wir Beiden aber, Felix und Therese,
Wir danken Dir doch mehr noch als sie Alle:
Denn Deine Freundschaft war in schwerster Zeit
– Nach unsrer eignen Kraft – der stärkste Stab.

Wir danken Dir: und wenn die Abendsonne
So hell, so schön, so leuchtend und so warm
Wie andern Frauen nicht, Dir scheint in's Leben,
Wenn noch Dein kommend Alter Glanz verklärt,
Wie im geliebten Partenkirchen Dir
Die Sonne noch die letzten Strahlen schickt,
Denk' unser freudig dann und flüst're still:
»Das ist der Dank von Felix und Therese.«

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