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Gedichte

Felix Dahn: Gedichte - Kapitel 153
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorFelix (und Therese) Dahn
year1892
publisherBreitkopf & Haertel
addressLeipzig
titleGedichte
pagesIII-XII
created20050922
sendergerd.bouillon
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An meine Therese.

I.
            Bald wirst Du nun, vielholdes Weib, mein eigen:
    Zu seinem Rechte kommt mein heißes Sehnen.
Im Kuß ersticken Deine letzten Thränen,
    Und Deine Strenge wird ein schämig Schweigen.

Doch stets will ich Dich schau'n in Myrthenzweigen!
    Durch's ganze Leben soll die Scheu sich dehnen,
Stets will ich noch als Werbender mich wähnen
    Und ehrfurchtvoll wie vor der Braut mich neigen.

Denn allem Rechte dienet nur der Leib,
    Beherrschen läßt sich nur das Reich der Sinne,
Dem freien Herzen gelten nicht Befehle.
    Ich aber will das ganze süße Weib,
Den tiefsten Honigseim im Kelch der Minne
    Und den geheimsten Wohllaut Deiner Seele!


II.
Wie eine mondbeglänzte Frühlingsnacht
    War meiner freien Jugend duft'ge Zeit,
Es lockten Nachtigallen nah und weit,
    Und Zauberschatten schwebten leicht und sacht.

Da stieg in morgensonnenheller Pracht
    Dein Bild empor mit klarer Freudigkeit:
Schnell floh der Träume wesenlos Geleit,
    Zur lichten Wirklichkeit bin ich erwacht.

Nun liegt vor mir die Welt im Tagesschein,
    Nicht wilde Blumen pflückend irr' ich mehr,
Unstäten Schritts, im Waldesdicht umher.

Nein, edle Sat zu goldenem Gedeih'n
    Streu' ich in's Feld: – doch Du im Aethermeer
Sollst, segensingend, meine Lerche sein.


III.
Das höchste Glück, dem Weib gegeben,
    Geliebte Frau, es wurde Dein:
Du brauchst Dich selbst nur auszuleben,
    Um schön und gut und wahr zu sein.
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