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Gedichte

Felix Dahn: Gedichte - Kapitel 136
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorFelix (und Therese) Dahn
year1892
publisherBreitkopf & Haertel
addressLeipzig
titleGedichte
pagesIII-XII
created20050922
sendergerd.bouillon
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Vom Nicht-alt-werden-können.

        Wohl ein Unglück muß ich's nennen!
    Diese Raschheit der Gebärden,
In den Adern dieses Brennen, –
    Ach, nicht lern' ich's, alt zu werden! –

Volle achtundfünfzig Jahre, –
    Weiß am Kinn der breite Bart, –
Und noch immer ein Scholare
    Auf der Weisheit Suche-fahrt!

Immer noch voll Lenzvertrauen
    Schon im frühen Februar,
Immer mehr noch schönen Frauen
    Hold, als der Gelehrten Schar!

Immer noch viel lieber lauschend
    Amsel-Sang als Zeitungsfehde,
Immer aus der Brust noch rauschend
    Ungestüm und rasch die Rede!

Auch dem Fremden, Unbekannten,
    Immer noch sich nah'n so offen,
Im dem Wort des Wortgewandten
    Ueberzeugung noch erhoffen!

Immer noch den Menschen glauben,
    Ob sie's noch so falsch getrieben,
Immer noch sich lassen rauben
    Nicht das dumme Menschen-Lieben.

Nicht durch Schaden klug geworden,
    Rasch und glühend wie zuvor,
An des Greisenalters Borden
    Immer noch ein junger Thor.

Nein, ein alter! Das ist's eben!
    Spottens-, nicht mehr liebens-würdig.
Aber ach, es ist das Leben
    Anders gar zu zentnerbürdig!

Und was hilft's, daß ich mich härme
    Um die eigenste Natur?
Dieses heißen Herzens Wärme: –
    Ach, im Tod erlischt sie nur!

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