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Gedichte

Felix Dahn: Gedichte - Kapitel 125
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorFelix (und Therese) Dahn
year1892
publisherBreitkopf & Haertel
addressLeipzig
titleGedichte
pagesIII-XII
created20050922
sendergerd.bouillon
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Festspruch.

Nun aber die lieblichsten Töne herbei auf der frisch zu besaitenden Harfe:
Nur die herzenberückendste Festmelodei, sie genüget mir heut' dem Bedarfe.
O hätt' ich doch heute die Wahl und die Schau unter allen olympischen Leiern!
Denn die prächtigste, herrlichste, freudigste Frau gilt's heut' in dem Liede zu feiern.
Wie wuchs sie dereinst doch so lieblich empor als des Rheingau's rosigste Blüthe,
In dem Auge den Schalk, in dem Mund den Humor, doch im Herzen die goldige Güte.
Und ist sie auch heute nicht ganz mehr so schlank wie des Rheinlands schlankeste Erle, –
Die junonische Fülle, sie steht ihr zu Dank, der harmonisch gerundeten Perle.
Drum faßt auch die Perle so gern der Gemahl in das Gold der zärtlichsten Liebe
Und Schwarzdiamanten unendlicher Zahl ihr erbohrt er mit Eifergetriebe.
Ja, ehrten Sie sie als die Bergfee nicht und die Königin all' Ihrer Kohlen, –
Herr William, ich sag's Ihnen ins Gesicht: – dann sollte der Teufel Sie holen!
Doch er holt ihn nicht: denn er weiß, was er hat an der herrlich prangenden Hausfrau,
Und so lang' er sie hat, wird sein Mühen nicht matt und die Zukunft scheint ihm nicht mausgrau.
Ist's doch für die Freunde schon hoher Genuß, die Gewaltige walten zu sehen,
Wie sie jeglichem sagt, wie er's machen muß, wenn die Sache soll ordentlich gehen,
Wie die Mädchen sie lehrt und den Knaben sie wehrt und das Ganze in Ordnung und Schick hält,
(– Weh, wenn George zu spät zu der Suppe kehrt und Emmy nicht g'rad das Genick hält!)
Ja, schickte mir selber ein Gott sie doch in gnädiger, gütiger Sendung:
Denn unermüdet arbeitet sie noch an meiner Erziehung Vollendung,
Von meinen Gebrechen entgeht ihr keins – sie erspäht sie mit Augen des Luxes! –
Das häuf'ge Geschlürfe des Biers und des Weins und die Kleider, – veralteten Wuchses.
Ach ich lasse so gern erziehen mich von den weichen, den patschlichen Händchen:
Doch ich bess're mich nicht zu geschwindiglich: sonst hat das Vergnügen ein Endchen.
Nun aber erhebet die Becher mit mir und rufet mit Jubelgebrause:
»Hoch lebe, die unsrer Gesellung Zier und der strahlende Schmuck hier im Hause.
Was ist sie doch für eine wonnige Schau, die leuchtende Feuer-Lilie.
Mit dem Herzen so frisch, mit den Augen so blau, die gedeihliche Frau Emilie:
Hoch lebe sie, hoch, die schöne Frau, die Krone der schönen Familie!«
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